Deutsche Redaktion

Pentagon: USA würden polnische Atompläne ablehnen

05.03.2026 18:14
Die USA würden es ablehnen, wenn Länder wie Polen, Deutschland oder die skandinavischen Staaten eigene Atomwaffen entwickeln wollten. Das sagte der stellvertretende Pentagonchef Elbridge Colby am Mittwoch. Zwar sei ein solches Szenario derzeit nur hypothetisch, doch Washington würde versuchen, die betroffenen Länder davon abzubringen.
Stellvertretender Pentagonchef Elbridge Colby
Stellvertretender Pentagonchef Elbridge Colby Kevin Dietsch/East News

Colby äußerte sich bei einer Veranstaltung in Washington. Dort wurde er auf Debatten in Europa angesprochen, ob einzelne Staaten eigene Atomwaffen anschaffen sollten oder ob der französische oder britische nukleare Schutzschirm auf weitere Länder ausgeweitet werden könnte.

Nach seinen Worten gebe es bislang keine glaubwürdigen Hinweise darauf, dass europäische Regierungen ernsthaft planen, eigenständig Atomwaffen zu entwickeln. Ein solcher Schritt würde gegen den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen verstoßen.

Gleichzeitig hält Colby es für „angemessen und sinnvoll“, dass Europa einen größeren Beitrag zur nuklearen Abschreckung der NATO leistet. Die unabhängigen Atomstreitkräfte Großbritanniens und Frankreichs seien bereits ein wichtiger Teil dieser Abschreckung.

Derzeit gebe es Gespräche darüber, wie diese Fähigkeiten stärker in die NATO-Planung eingebunden werden könnten. Großbritannien habe bereits beschlossen, sich stärker an der nuklearen Abschreckung des Bündnisses zu beteiligen. „Es gibt auch darüber hinaus weiteres Potenzial“, sagte Colby.

Er betonte jedoch, dass Frankreichs nukleare Abschreckung in erster Linie für die Verteidigung Frankreichs konzipiert sei. Eine glaubwürdige Abschreckung auf Länder auszuweiten, die „Hunderte Kilometer entfernt“ liegen, sei deutlich komplizierter, als lediglich politische Erklärungen anzupassen.

Auf die Frage, ob die USA versuchen würden, Deutschland, Polen oder die skandinavischen Staaten von eigenen Atomwaffen abzuhalten, antwortete Colby: „Ja, ich denke, wir würden versuchen, sie davon abzubringen.“ Die Vereinigten Staaten würden ein solches Vorhaben „zumindest entschieden ablehnen“.

„Es ist ein hypothetisches Szenario, aber wir sind gegen eine solche Möglichkeit“, sagte er.

In Polen erklärte Außenminister Radosław Sikorski, sein Land habe von Frankreich bislang keine Einladung erhalten, sich an einer gemeinsamen nuklearen Abschreckung zu beteiligen. Es gebe lediglich „eine Einladung zu Gesprächen“. Polen werde darüber sprechen, sagte Sikorski, warnte jedoch davor, zu weit in die Zukunft zu schauen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte am Montag eine neue Vision für die französische nukleare Abschreckung vorgestellt. Er schlug eine engere Zusammenarbeit mit europäischen Partnern – darunter auch Polen – vor und kündigte an, die Zahl der französischen Atomsprengköpfe zu erhöhen.


PAP/IAR/jc

„Über uns ohne uns" - die gefährliche Illusion eines “Pax Americana”

24.11.2025 11:55
Der von Axios enthüllte 28-Punkte-Friedensplan Donald Trumps dominiert die polnischen Kommentare. Vor allem die Vorschläge zu Polen und polnischen Sicherheitsgarantien ohne Rücksprache mit Warschau sorgen für Irritationen. Und für die Frage: Wie passt das mit der von der Opposition angestrebten “Pax Americana” zusammen? Und: Soziologin Anna Zawadzka spricht über ihre Erfahrungen als Gastarbeiterin in Deutschland und den alltäglichen Rassismus gegen Osteuropäer. Mehr dazu in der Presseschau.

Wird der französische Nuklearschirm Polen schützen oder spalten?

04.03.2026 13:49
Frankreichs Vorschlag eines europäischen nuklearen Abschreckungsprogramms sorgt in den polnischen Medien für eine lebhafte Debatte. Während sich die Regierung von Donald Tusk dem Programm anschließen will, reagiert Präsident Karol Nawrocki verärgert – er sei nicht informiert worden. Wird nach dem SAFE-Streit auch die französische Nuklearinitiative zur neuen Bruchlinie zwischen Regierung und dem Präsidentenpalast? Außerdem: Der bittere Blick einer polnisch-palästinensische Journalistin auf den israelischen Angriff auf den Iran. Und: Ex-Außenminister Jacek Czaputowicz nimmt die Grundsatzrede seines Nachfolgers Sikorski aufs Korn. Mehr dazu in der Presseschau.