Ambros traf am Montag in Warschau den polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk. Der Wissenschaftler erklärte, der mögliche Erwerb der Staatsbürgerschaft wäre für ihn vor allem eine Würdigung seiner Familie. „Für mich wäre es eine Möglichkeit, meinen Vater, meine Tante, ihre Eltern und all jene Menschen zu ehren, die gekämpft und überlebt haben, damit ich heute existieren kann“, sagte er.
Der Forscher mit polnischen Wurzeln wurde 1953 im US-Bundesstaat New Hampshire geboren. Sein Vater stammte aus Polen und war während des Zweiten Weltkriegs als Zwangsarbeiter nach NS-Deutschland deportiert worden. Er sei seine einzige direkte Verbindung zu Polen gewesen, sagte Ambros.
Viele Einwanderer in den USA hätten in den 1950er-Jahren ihre Muttersprache nicht an ihre Kinder weitergegeben, erklärte der Wissenschaftler. Dennoch habe er im Laufe der Jahre eine große Zuneigung und Bewunderung für Polen entwickelt. Besonders beeindruckt habe ihn die Widerstandskraft der polnischen Gesellschaft angesichts der wechselvollen Geschichte des Landes.
Ambros erhielt 2024 gemeinsam mit dem US-Forscher Gary Ruvkun den Nobelpreis für Medizin für ihre Entdeckung der MikroRNA und deren Rolle bei der Regulierung der Genaktivität. Die Forschung gilt als Grundlage der modernen Molekularbiologie und eröffnet neue Möglichkeiten für Diagnostik und Therapie.
Seit Februar vergangenen Jahres ist Ambros Vorsitzender des wissenschaftlichen Rates des Internationalen Instituts für Molekular- und Zellbiologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften.
PAP/jc