Polen müsse sich vor allem auf die Bedrohung durch Russland konzentrieren, sagte Sikorski. Das Land habe „einen Krieg an seinen Grenzen“ und sehe sich mit einem aggressiven Russland konfrontiert, das Drohnen in den polnischen Luftraum schicke.
Zwar seien die Interessen Polens und der USA in vielen Punkten ähnlich, erklärte Sikorski. Sie seien jedoch nicht in allen Fragen identisch.
Auf die Frage nach einer möglichen Beteiligung Polens an einem Konflikt mit Iran sagte der Minister, es gebe „keine solchen Pläne“. Auch polnische Militärbasen stünden dafür nicht zur Verfügung. Präsident Karol Nawrocki habe zudem bereits erklärt, dass er einem Einsatz polnischer Soldaten in diesem Krieg nicht zustimmen werde.
Polen bekunde jedoch politische Solidarität mit den USA als wichtigstem Verbündeten sowie mit Partnern in der Türkei, auf Zypern und in der Region des Persischen Golfs. Zugleich unterstütze Polen seit langem die Sicherheit Israels in international anerkannten Grenzen.
Sikorski äußerte sich auch zur Raketenabwehrbasis im nordpolnischen Redzikowo. Nach den entsprechenden Vereinbarungen solle die Anlage Raketen erkennen und abfangen, die Europa oder die USA bedrohen könnten. Solche Raketen habe Iran bislang nicht abgefeuert.
Ob Iran eine unmittelbare Bedrohung für die USA oder Europa darstelle, wollte der Minister nicht bestätigen. Die Vereinigten Staaten und Israel hätten zwar ihre eigene Einschätzung der Lage, sagte Sikorski. Er persönlich habe jedoch keine direkte Bedrohung für die USA, Europa oder Israel gesehen.
Mit Blick auf die Diskussion über mögliche Präventivschläge sagte Sikorski, solche Kriege könnten in bestimmten Situationen gerechtfertigt sein. Er verwies auf eine historische Debatte darüber, ob der polnische Staatschef Józef Piłsudski Frankreich 1933 einen Präventivkrieg gegen das nationalsozialistische Deutschland vorgeschlagen habe. Dafür gebe es jedoch keine Belege.
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