Ein libanesischer Journalist hat am Sonntag auf X ein Foto mit einen israelischen Soldaten veröffentlicht, als dieser mit einem schweren Hammer eine Figur von Jesus Christus zerstört hat. Wie die israelischen Streitkräfte IDF mitgeteilt haben, zeige das Bild tatsächlich einen israelischen Militärangehörigen während eines Einsatzes im Süden des Libanon.
„Gegen die beteiligten Personen werden entsprechende Maßnahmen ergriffen, gemäß den Ergebnissen der Untersuchung“, teilte das israelische Militär noch am selben Abend mit. Die israelische Armee erklärte zudem, sie würde der Gemeinde helfen, die beschädigte Figur wieder am ursprünglichen Ort aufzustellen. Die Absicht sei nicht, zivile Infrastruktur zu zerstören, einschließlich Gebäuden oder religiösen Symbolen.
Der israelische Außenminister Gideon Sa'ar bezeichnete die Zerstörung der Christusfigur als „schändliche Tat“ und entschuldigte sich im Namen Israels „bei allen, insbesondere bei den Christen“.
Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat das Verhalten des Soldaten verurteilt. Ihm nach sei die überwältigende Mehrheit der Israelis überrascht und bestürzt gewesen, dass ein Soldat der Israel Defense Forces (IDF) eine katholische religiöse Figur im Süden des Lebanon beschädigt habe.
Polens Außenminister: Israelische Soldaten haben eigene Geiseln getötet
Polens Außenminister Radosław Sikorski hat seine Zufriedenheit über die Entschuldigung des israelischen Außenministers geäußert. Zugleich hat der Leiter der polnischen Diplomatie die israelische IDF kritisiert. „Gut, dass Minister Sa’ar sich schnell entschuldigt hat, es gab Anlass dafür. Der betreffende Soldat sollte bestraft werden, ebenso müssen Konsequenzen für die Ausbildung gezogen werden. Soldaten der IDF bekennen sich selbst zu Kriegsverbrechen. Sie haben nicht nur palästinensische Zivilisten getötet, sondern sogar eigene Geiseln“, erklärte Sikorski.
Auf den Beitrag von Radosław Sikorski hat der israelische Außenminister Gideon Sa'ar selbst geantwortet. Er warf dem Chef der polnischen Diplomatie „Ignoranz und tiefes Unverständnis“ vor. Er hat „unbegründete und verleumderische Aussagen“ gegen die israelische Armee entschieden zurückgewiesen. In seiner Stellungnahme erklärte Sa’ar, in jedem Krieg komme es zu „operativen Zwischenfällen“, darunter auch Fällen von Eigenbeschuss. Leider träfen Kriege auch unschuldige Zivilisten, insbesondere wenn Terroristen die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde missbräuchten. Zudem betonte er, die IDF sei eine „professionelle und ethische Armee“, die seit Jahrzehnten „anhaltenden Versuchen zur Vernichtung des Staates Israel“ durch totalitäre Staaten sowie „einige der extremsten und gefährlichsten Terrororganisationen der Welt“ entgegentrete.
Zum Schluss empfahl Sa’ar Außenminister Radosław Sikorski, er solle „statt zu moralisieren“ persönlich einen „schändlichen, antisemitischen Vorfall“ verurteilen, der in der vergangenen Woche im polnischen Parlament passiert sei. Gemeint war ein Abgeordneter der radikalen Konfederacja-Partei, der eine israelische Flagge ins Parlament brachte, auf der anstelle des Davidsterns ein Hakenkreuz zu sehen war.
Sikorski: Israelische Soldaten gehen „zu lässig" vor
In seiner Antwort erinnerte Polens Chefdiplomat den Leiter der israelischen Diplomatie daran, dass er noch am selben Tag das Verhalten des rechtsextremen Abgeordneten verurteilt habe. Anschließend habe dieser vom Sejmmarschall eine Geldstrafe erhalten. Sikorski verwies zudem auf einen Artikel der israelischen Tageszeitung „Haaretz“. Dort wurden erschütternde Berichte von israelischen Soldaten über die Tötung von Zivilisten im Gazastreifen oder das Beobachten solcher Vorfälle sowie deren Vertuschung „im Namen der Rache“ zitiert.
„Ich behaupte selbstverständlich nicht, dass Soldaten der Israel Defense Forces israelische Geiseln absichtlich getötet haben. Die Tatsache, dass es dazu kam, deutet jedoch darauf hin, dass die im Einsatz angewandten Verfahren zu lässig waren. Fehler haben auch zum Tod von Mitarbeitern humanitärer Organisationen, darunter des Polen Damian Soból geführt“, erklärte der polnische Außenminister.
RMF24/IAR/ps