Deutsche Redaktion

US-Brigade für Polen: Pentagon spricht von Verzögerung, nicht Abzug

20.05.2026 11:02
Die Verlegung der US-Panzerbrigade nach Polen ist nach offizieller Darstellung lediglich verschoben, nicht gestrichen worden. Polen sei ein „Modellverbündeter" und könne weiter auf eine starke amerikanische Präsenz zählen, betonte Pentagon-Sprecher Sean Parnell. Auch US-Vizepräsident JD Vance versucht, die Wogen zu glätten und weist Behauptungen zurück, Russland in die Hände zu spielen.
Według Pentagonu rozmieszczenie amerykańskich żołnierzy w Polsce będzie opóźnione
Według Pentagonu rozmieszczenie amerykańskich żołnierzy w Polsce będzie opóźnioneFoto: Maciej Luczniewski/REPORTER

Nach Tagen widersprüchlicher Signale aus Washington liegt nun eine Ansage der USA zur ausgesetzten Rotation der US-Truppen nach Polen vor: Die Stationierung einer US-Panzerbrigade ist nach offizieller Darstellung lediglich verschoben, nicht gestrichen worden. Pentagon-Sprecher Sean Parnell teilte mit, die Zahl der amerikanischen Brigadekampfverbände in Europa werde von vier auf drei verringert – und damit auf den Stand von 2021 zurückgeführt. Für Polen bedeute das eine vorübergehende Verzögerung.

"Polen ist Modellverbündeter"

Die Entscheidung sei das Ergebnis einer umfassenden Überprüfung der US-Militärpräsenz in Europa und Teil der „America First"-Agenda von Präsident Donald Trump, so Parnell. Washington wolle die NATO-Partner bewegen, mehr Verantwortung für die konventionelle Verteidigung Europas zu übernehmen. Polen sei ein „Modellverbündeter" und könne weiter auf eine starke amerikanische Präsenz zählen. Vizepräsident JD Vance wies auf eine Frage des Polnischen Rundfunks den Vorwurf zurück, der Schritt belohne Moskau und bestrafe den engsten Verbündeten; es handele sich  ausschließlich um eine Verzögerung der Rotation, nicht um einen Abzug, betonte der Politiker. Zugleich kritisierte er die zugespitzte Berichterstattung über die US-Entscheidung in den europäischen Medien.

Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz erklärte nach einem Telefonat mit US-Kriegsminister Pete Hegseth zu dem Thema ebenfalls, eine Verringerung der amerikanischen Fähigkeiten in Polen sei nicht beschlossen worden. 

"Warschau von der Entscheidung überrascht"

Zuvor waren Vize-Verteidigungsminister Cezary Tomczyk und Paweł Zalewski kurzfristig nach Washington gereist, um Aufklärung zu verlangen. Zalewski räumte ein, die Entscheidung habe Warschau überrascht – niemand in Polen habe gewusst, dass die Rotation ausgesetzt werde. Als eine der nun erwogenen Optionen gilt die Verlegung von in Deutschland stationierten US-Soldaten nach Polen. Über die Ergebnisse ihrer Gespräche wollen die Vizeminister an diesem Mittwoch auf einer Pressekonferenz informieren.

Heute wird zudem General Christopher Mahoney, stellvertretender Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs der US-Streitkräfte, zu weiteren Gesprächen in Polen erwartet. In Warschau soll sich der Militär unter anderem mit Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz und Generalstabschef Wiesław Kukuła austauschen.


IAR/PAP/adn

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