TYGODNIK POWSZECHNY: Historischer Rollentausch
Ungarn galt über Jahrzehnte als ein Orientierungspunkt für das postkommunistische Polen. Bereits in der Zeit nach dem Kriegsrecht wurde das Land als vergleichsweise liberal wahrgenommen – mit größerer Reisefreiheit und besserer Versorgungslage. Historisch prägend blieb zudem die Solidarität der Polen mit dem ungarischen Aufstand von 1956, lesen wir in der Wochenzeitschrift Tygodnik Powszechny.
Nach 1989 entwickelten sich Ungarn und Polen zunächst parallel in Richtung Westen. In den 1990er-Jahren galt Ungarn – neben Tschechien – als Vorzeigeland der Transformation, während Polen als weniger dynamisch wahrgenommen wurde. Beide Länder traten jedoch zeitgleich der NATO und der Europäischen Union bei.
Heute hat sich dieses Verhältnis verschoben, schreibt der Publizist Dominik Hejj. Polen verzeichnet trotz bestehender Herausforderungen eine dynamischere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung und hat Ungarn in vielen Bereichen überholt. Nach den aktuellen Wahlen ergibt sich für Budapest die Möglichkeit eines politischen Kurswechsels – weg von der als autoritär und europaskeptisch beschriebenen Linie von Viktor Orbán. Viele Ungarn hoffen auch auf eine rasche Verbesserung ihrer Lage. Nun kann Polen als Beispiel für die ungarische Wirtschaft fungieren, schreibt Tygodnik Powszechny.
DO RZECZY: Wofür nutzt Peter Magyar seinen Backofen?
In der Partei Recht und Gerechtigkeit PiS werden Fragen laut, wer Jarosław Kaczyński mit einer kompromittierenden Falschinformation über den Sieger der Wahlen in Ungarn, Péter Magyar, versorgt hat, schreibt die Wochenzeitschrift Do Rzeczy. Während eines Gesprächs mit Journalisten im Sejm unterlief dem Parteivorsitzenden ein schwerwiegender Fehltritt. Kaczyński erklärte, Peter Magyar, Anführer der Tisza-Partei habe sich in seinem Privatleben „ungeheuerlicher“ Handlungen schuldig gemacht. Auf Nachfrage verwies er auf ein angebliches Buch von Magyars Ex-Ehefrau Judit Varga und behauptete unter anderem, Magyar habe einen Welpen gebacken.
Die Information stellte sich als falsch heraus. Ein Parteisprecher versuchte, Kaczyńskis Äußerung damit zu erklären, dass entsprechende Gerüchte seit Tagen im Internet kursierten. In der Vielzahl kontroverser Materialien über den von Donald Tusk unterstützten Kandidaten habe sich ausgerechnet diese eine Information als unwahr erwiesen, erklärte Rafał Bochenek. Innerhalb der Partei gilt der Vorfall als Imageschaden, lesen wir weiter. Es wird nach der Quelle der Fehlinformation gesucht. Parteiintern ist bekannt, dass Kaczyński stark auf Informationen aus seinem Umfeld sowie aus rechtsgerichteten Medien zurückgreift. Ein anonymer Gesprächspartner aus seinem Umfeld beschreibt ihn als gutgläubig und anfällig dafür, ungeprüfte Informationen zu wiederholen.
Inoffiziell räumen Parteimitglieder ein, dass die Verbreitung falscher Informationen der Partei schadet. Öffentlich wird Kaczyński jedoch nicht kritisiert. Intern wird seine Aussage als „peinlich“ und „kompromittierend“ bewertet.
GAZETA.PL: US-Amerikaner lieben Polen immer mehr
Zunehmend entscheiden sich US-Amerikaner für ein Leben in Polen und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas. Der Trend, der früher vor allem Länder wie Frankreich, Spanien oder Portugal betraf, verschiebt sich zunehmend in Richtung dieser Region, schreibt Gazeta.pl. Polen war lange Zeit kein zentrales Ziel für Auswanderer aus den USA, sondern eher eine Zwischenstation. Nun wird das Land jedoch häufiger als dauerhafter Wohnort in Betracht gezogen. Auch andere Staaten der Region – darunter Rumänien, Bulgarien, die Slowakei, Estland und Albanien – gewinnen an Attraktivität.
Ausschlaggebend sind vor allem niedrigere Lebenshaltungskosten, ein höheres Sicherheitsgefühl sowie ein als angenehmer empfundenes Alltagstempo. Hinzu kommen vergleichsweise zugängliche Aufenthaltsregelungen, insbesondere für Personen mit europäischen Wurzeln. Innerhalb der Region nimmt Polen eine prominente Stellung ein. Städte wie Kraków, Warszawa und Wrocław werden häufig als gut angebundene und lebenswerte Orte beschrieben. Für viele Zuziehende aus den USA ist insbesondere die Möglichkeit bemerkenswert, ohne Auto mobil zu sein und sich gleichzeitig sicher zu fühlen.
Ein Beispiel ist Natalie Boruk, die 2025 nach Polen zog. Ihren Angaben zufolge sind ihre monatlichen Ausgaben, insbesondere für Lebensmittel, deutlich gesunken. Neben finanziellen Aspekten hebt sie auch eine höhere Lebensqualität hervor, etwa durch mehr Ruhe und bessere Bedingungen für den Alltag. Zudem verweist sie auf wachsende berufliche Möglichkeiten, etwa im Startup-Sektor. Offizielle Daten bestätigen den Trend steigender Zuwanderung. Die Zahl der Anträge auf Legalisierung des Aufenthalts nimmt seit Jahren zu und hat sich zuletzt weiter beschleunigt, stellt Gazeta.pl abschließend fest.
Autor: Jakub Kukla