Das Treffen im Belvedere-Palast in der polnischen Hauptstadt fand während Magyars erster Auslandsreise seit seinem Amtsantritt am 9. Mai statt. Seine Tisza-Partei hatte im April die Parlamentswahl gewonnen und damit die 16-jährige Regierungszeit von Viktor Orbán beendet. Nach Angaben des polnischen Präsidialamts standen die bilateralen Beziehungen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie die Unterstützung für Ungarns Bemühungen zur Diversifizierung der Energieversorgung und zur Verringerung der Abhängigkeit von russischem Gas im Mittelpunkt der Gespräche. Die beiden Politiker sprachen zudem über die regionale Sicherheit und eine engere Zusammenarbeit innerhalb regionaler Bündnisse wie der Visegrád-Gruppe, der Bukarester Neun und der Drei-Meere-Initiative, teilte das Büro Nawrockis auf X mit.
Der Leiter des Büros für internationale Politik des Präsidenten, Marcin Przydacz, bezeichnete die Gespräche als „pragmatisch“ und „substanziell“. Sie hätten die engen Beziehungen zwischen beiden Staaten bestätigt. Dem privaten Sender Polsat News sagte er, Thema seien auch die Politik Russlands sowie die Zukunft Europas gewesen, darunter die Zusammenarbeit im Bereich Energie und regionale Infrastrukturprojekte. Zudem sei über Bemühungen gesprochen worden, Mittel aus der Europäischen Friedensfazilität freizugeben – einem EU-Instrument zur Unterstützung militärischer Hilfe und der Verteidigungskooperation.
„Neues Kapitel“ in bilateralen Beziehungen
Zuvor hat Magyar Gespräche mit dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk geführt. Beide Politiker sprachen dabei von einem „neuen Kapitel“ in den bilateralen Beziehungen. Im Mittelpunkt standen nach ihren Angaben ebenfalls Energiesicherheit, die Ukraine sowie die regionale Zusammenarbeit. Während seines Besuchs in Warschau hat Magyar zudem die Spitzen des polnischen Parlaments, darunter Sejmmarschall Włodzimierz Czarzasty und Senatsmarschallin Małgorzata Kidawa-Błońska getroffen. Später sind Tusk und Magyar gemeinsam in die Ostseestadt Gdańsk gereist, wo sie mit dem früheren polnischen Präsidenten Lech Wałęsa sprachen.
Tusk erklärte, Warschau und Budapest wollen in Brüssel bei geopolitischen Fragen und regionalen Interessen enger zusammenarbeiten. Polens Regierungschef begrüßte Magyars Zusage, die Kooperation innerhalb der Visegrád-Gruppe (V4), zu der auch Tschechien und die Slowakei gehören, wiederzubeleben. „Mitteleuropa sollte aus geopolitischen Gründen und wegen gemeinsamer Positionen etwa zur illegalen Migration zu einem Ort werden, an dem auch über Europas Zukunft entschieden wird“, sagte er. Die Beziehungen innerhalb der V4-Gruppe hatten sich nach dem russischen Angriffskriegauf die Ukraine im Jahr 2022 deutlich verschlechtert – vor allem wegen der engen Beziehungen des früheren ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zu Diktator Wladimir Putin.
Magyar will Polen am Donnerstag verlassen und über Wien mit dem Zug nach Budapest zurückkehren.
IAR/PR/ps