Deutsche Redaktion

Nach Fehlalarm in Gdańsk: Regierung unter Druck

25.05.2026 10:18
Nach dem Polizeieinsatz in der Wohnung der Mutter des polnischen Präsidenten hat der Chef des Nationalen Sicherheitsbüros BBN, Bartosz Grodecki, eine schnelle Aufklärung gefordert. Präsident Nawrocki erwarte umfassende Erklärungen zu dem Vorfall, sagte Grodecki dem Sender Radio Zet.
Prezydent Karol Nawrocki
Prezydent Karol NawrockiFoto: Rex Features/East News

Am Samstagabend waren Einsatzkräfte nach zwei mutmaßlich falschen Notrufen gewaltsam in die Wohnung in Danzig eingedrungen. Nach Angaben der Feuerwehr hatte es Hinweise auf einen möglichen Brand sowie einen medizinischen Notfall gegeben. Vor Ort fanden die Einsatzkräfte jedoch keine Gefahrensituation vor; die Wohnung war leer.

Grodecki erklärte, die Dienste hätten nach den geltenden Vorschriften gehandelt. Zugleich bezeichnete er es als „kompromittierend und empörend“, dass es überhaupt zu einem solchen Vorfall gekommen sei. Es gehe um die Sicherheit des Staatsoberhauptes und seines Umfelds.

Der BBN-Chef verwies zudem auf eine Serie ähnlicher Vorfälle in den vergangenen Wochen. Polen habe ein „kolossales Problem“ mit falschen Notrufen und den bestehenden Meldesystemen. Es brauche neue Mechanismen, um derartige Zwischenfälle einzudämmen.

Nach Angaben des Innenministeriums gab es zwischen dem 10. und 15. Mai zwölf Einsätze wegen mutmaßlicher Falschmeldungen über Bombendrohungen oder Gefahren für Leib und Leben. Betroffen waren demnach unter anderem Journalisten und Personen aus dem konservativen politischen Umfeld.

Politiker der oppositionellen PiS-Partei forderten nach dem Vorfall den Rücktritt von Innenminister Marcin Kierwiński. Ministerpräsident Donald Tusk wies die Vorwürfe zurück. Die Bezeichnung des Feuerwehreinsatzes als „Angriff auf den Präsidenten“ sei Ausdruck von „Zynismus oder Dummheit“, erklärte Tusk. Zugleich kündigte er ein entschlossenes Vorgehen gegen die Urheber der falschen Meldungen an.


PAP/jc