Deutsche Redaktion

Israel will palästinensisches Dorf trotz internationaler Kritik abreißen

27.05.2026 15:30
Israel will Massnahmen zum Abriss des palästinensischen Dorfes Chan al-Ahmar im Westjordanland wieder aufnehmen. Die Bewohner werden von der Polnischen Medizinischen Mission unterstützt. Finanziert wird die Hilfe unter anderem aus Mitteln des polnischen Außenministeriums.
Palstinenser protestieren gegen den Abriss ihrer Wohnhuser.
Palästinenser protestieren gegen den Abriss ihrer Wohnhäuser. PAP/EPA/ALAA BADARNEH

Am 19. Mai hatIsraels Finanzminister Bezalel Smotrich die Wiederaufnahme des Verfahrens zum Abriss und zur Umsiedlung der Gemeinschaft von Chan al-Ahmar angeordnet. Seit 2024 organisiert die polnische Hilfsorganisation unter anderem wöchentliche Besuche einer mobilen Klinik und psychosoziale Aktivitäten für Kinder. Zudem wurden bestehende Gebäude angepasst und eingerichtet, um dort Hilfsmaßnahmen durchführen zu können. „Sollte die Entscheidung umgesetzt werden, werden diese Menschen praktisch über Nacht obdachlos. Verloren gingen auch die Ergebnisse von drei Jahren Hilfe, die aus Mitteln polnischer Steuerzahler finanziert wurde“, sagte Małgorzata Olasińska-Chart von der Polnischen Medizinischen Mission. Die Bewohner werden im Rahmen eines vom polnischen Außenministerium mitfinanzierten Projekts von der Polnischen Medizinischen Mission unterstützt.

Chan al-Ahmar ist eine Beduinengemeinschaft aus mehreren Dutzend Familien mit insgesamt etwa 150 bis 200 Bewohnern. Es ist nicht das erste Mal, dass Israel versucht, die Gemeinschaft umzusiedeln. Der erste Versuch wurde bereits 2018 unternommen, nach internationalem Druck jedoch gestoppt. Die Vertreibung der Bewohner ist Teil eines umfassenderen Regierungsplans zur Übernahme der Kontrolle über das zentrale Gebiet des Westjordanlands. Das Gebiet gilt als entscheidend für die territoriale Kontinuität eines künftigen palästinensischen Staates und für eine friedliche Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts.

Gewalt gegen die lokale Bevölkerung
Die Bewohner sind zudem täglich Bedrohungen durch israelische Siedler ausgesetzt, die regelmäßig Gewalt gegen die lokale Bevölkerung anwenden. „Die Kinder und ihre Familien leben in ständiger Alarmbereitschaft. Wenn während unserer Aktivitäten die Fahrzeuge der Siedler zu hören sind, unterbrechen die Kinder aus Angst sofort das Lernen oder das Spielen“, sagte Małgorzata Olasińska-Chart.

Der Abriss und die Umsiedlung von Chan al-Ahmar verstoßen gegen das internationale Strafrecht und das humanitäre Völkerrecht. Beide untersagen die zwangsweise Umsiedlung geschützter Personen aus besetzten Gebieten. Artikel 8 des Römischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs stuft die „Deportation oder Umsiedlung der gesamten oder eines Teils der Bevölkerung eines besetzten Gebiets“ als Kriegsverbrechen ein.

PR/pmm /ps

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