„Mein erster Gedanke war: Da macht jemand mit einer einzigen Geste die Arbeit vieler Menschen zunichte, die seit Jahren Brücken zwischen Polen und der Ukraine bauen“, sagte Bryżko-Zapór im Polnischen Rundfunk.
Zugleich kritisierte sie die Reaktionen auf polnischer Seite. „Ein Fehler jagt den nächsten“, sagte die Expertin. Internationale Beziehungen dürften nicht allein von Emotionen bestimmt werden, sondern müssten auf einer langfristigen Strategie und rationalen Entscheidungen beruhen.
Die Debatte entzündete sich an einem Dekret Selenskyjs, mit dem das Unabhängige Spezialoperationszentrum „Nord“ der ukrainischen Streitkräfte die Ehrenbezeichnung „Helden der UPA“ erhielt. Die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) wird in Polen für die Massaker an der polnischen Bevölkerung in Wolhynien und Ostgalizien während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich gemacht.
Besonders umstritten ist der Zeitpunkt der Entscheidung. Sie fiel zu einem Zeitpunkt, an dem polnische und ukrainische Experten gemeinsame Such- und Exhumierungsarbeiten an den Opfern der Wolhynien-Verbrechen durchführen. In Polen wurde die Ehrung daher vielfach als Provokation verstanden.
Bryżko-Zapór betonte jedoch, dass das Thema in der Ukraine deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalte als in Polen. Für viele Ukrainer stünden angesichts des russischen Angriffskrieges Fragen der Sicherheit und des täglichen Überlebens im Vordergrund.
Die Expertin äußerte zudem Sorge über mögliche Auswirkungen auf die ukrainischen Flüchtlinge in Polen. Viele von ihnen seien beunruhigt, dass die Kontroverse antiukrainische Stimmungen verstärken könnte.
Gleichzeitig verwies sie auf die unterschiedlichen historischen Perspektiven beider Gesellschaften. Während die UPA in Polen vor allem mit Verbrechen an der polnischen Bevölkerung verbunden werde, gelte sie vielen Ukrainern als Symbol des Widerstands gegen die Sowjetherrschaft. „Die Fakten bleiben jedoch die Fakten“, sagte Bryżko-Zapór. In Polen werde die UPA als Organisation wahrgenommen, die für Verbrechen an Zivilisten verantwortlich sei.
Trotz der aktuellen Spannungen zeigte sich die Expertin zuversichtlich, dass die laufenden Exhumierungsarbeiten fortgesetzt werden können. Die Zusammenarbeit polnischer und ukrainischer Fachleute funktioniere professionell und ohne politische Emotionen.
Bryżko-Zapór unterstützte zudem den jüngsten Appell des ukrainischen Außenministers Andrij Sybiha, den Dialog zwischen beiden Ländern fortzusetzen. Polen und die Ukraine seien aufeinander angewiesen. „Polen braucht einen freundschaftlichen und loyalen Nachbarn im Osten. Die Ukraine braucht ebenfalls einen solchen Partner“, sagte sie.
IAR/jc