Die Gespräche mit den taiwanischen Partnern seien nach Angaben des Regierungschefs fortgeschrittenen und sollen im Herbst abgeschlossen werden. „Gemeinsam mit den Taiwanern werden wir über ElectroMobility Poland in Jaworzno ein großes Zentrum aufbauen, das in das gesamte Industrie- und Technologieökosystem der Stadt und der Region eingebunden sein wird. Geplant sind Fahrzeuge, voraussichtlich drei Modelle der Mittelklasse, darunter SUVs“, kündigte Tusk an. Polen arbeite gemeinsam mit Foxconn auch an einer Halbleiterfabrik. Derzeit werde das komplexe Verfahren zur Umsetzung des Projekts abgeschlossen. „Also: Autos und Halbleiter“, fasste der Ministerpräsident zusammen.
Anfang Mai hat Foxconn den Abschluss einer strategischen Partnerschaft mit EMP bekannt gegeben. Ebenfalls im Mai unterzeichnete der Nationale Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft mit ElectroMobility Poland eine Vereinbarung über die Finanzierung des Polnischen Elektromobilitäts-Hubs. Für das Projekt wurden über Milliarde Euro aus Krediten des nationalen Aufbauplans (KPO) bereitgestellt.
Details zur Investition in Jaworzno
Der Vorstandsvorsitzende von ElectroMobility Poland, Cyprian Gronkiewicz, hatte zuvor erklärt, dass der Baubeginn der Fabrik für das Frühjahr 2027 geplant sei. Voraussetzung sei die Unterzeichnung eines Joint-Venture-Vertrags mit dem taiwanischen Partner im Herbst. Eine Schlüsselrolle soll Foxtron übernehmen, ein Unternehmen der Foxconn-Gruppe, das bereits über fertige Plattformen für Elektrofahrzeuge verfügt.
Langfristig soll ein wachsender Teil der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Polen durchgeführt werden. Nach Angaben von EMP soll die zweite Generation der Plattformen bereits zu rund 70 Prozent unter Beteiligung polnischer Ingenieure entstehen. Die Investition soll gemeinsam mit Foxconn finanziert werden. Nach Ansicht des EMP-Chefs sei dies ein Zeichen dafür, dass der taiwanische Investor an den Erfolg des Projekts glaube.
Foxconn anstatt Intel
Die zweite Säule der Zusammenarbeit soll der Bau einer Halbleiterfabrik in Niederschlesien sein. Donald Tusk deutete an, das Vorhaben befinde sich in der Endphase komplexer Verfahren. Es soll an einem Standort umgesetzt werden, der ursprünglich für eine Investition des US-Konzerns Intel vorgesehen war.
Intel hatte 2023 den Bau eines Werks für die Integration und Prüfung von Halbleitern in der Gemeinde Miękinia bei Wrocław angekündigt. Die Investition im Wert von 4,6 Milliarden US-Dollar sollte rund 2.000 Arbeitsplätze schaffen. Im Juli 2025 hatte sich das Unternehmen jedoch aus dem Projekt zurückgezogen. Das rund 400 Hektar große Gelände wurde bereits mit der notwendigen Infrastruktur ausgestattet. Dadurch ist es für neue Investoren besonders attraktiv.
Die Ankündigungen des Ministerpräsidenten fügen sich in den breiteren Trend einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Polen und Taiwan ein. Im Frühjahr vergangenen Jahres hatte die taiwanische Branchenorganisation TEEMA, die rund 3.000 Elektronikunternehmen vereint, darunter Foxconn und Acer, erklärt Polen sei ein vorrangiges Ziel für Investitionen ihrer Mitglieder. Besondere Bedeutung sollen Projekte im Bereich der Halbleiter sowie moderner Informations- und Kommunikationstechnologien haben. Die taiwanische Seite hatte dieses Interesse während der polnischen Wirtschaftsmission in Taiwan im Juni 2025 bestätigt.
PAP/ps