Zu den Verlierern zählt Israel. Die israelische Führung hatte Donald Trump offenbar mit dem Versprechen eines schnellen Zusammenbruchs der Islamischen Republik, einer Revolution und eines Regimewechsels gelockt – kurz gesagt: mit unrealistischen Erwartungen. Die Entwicklung verlief jedoch anders. Zwar wird eine endgültige Bilanz der Gewinne und Verluste aller Beteiligten erst nach Veröffentlichung der konkreten Vertragsbedingungen möglich sein, doch schon jetzt steht fest: Der Krieg hat dem amerikanischen Präsidenten weit mehr Probleme eingebracht, als er erwartet hatte.
Für Russland hingegen war der Konflikt eine äußerst positive Entwicklung. Moskau hatte stets ein Interesse daran, dass der Nahe Osten in Flammen steht. Vorerst scheint diese Gefahr gebannt zu sein – und damit muss sich der Kreml wohl mit einer Enttäuschung abfinden. Eine Eskalation von Konflikten in dieser Region lag stets im russischen Interesse, da sie Europa und die USA unter Druck setzt. Sie erzeugt Migrationsbewegungen, deren Instrumentalisierung Russland im Rahmen seiner hybriden Kriegsführung seit Langem beherrscht. Polen hat dies an der Grenze zu Belarus unmittelbar erlebt, während ganz Europa seit 2015 mit den Folgen massiver Migrationsströme konfrontiert ist.
Die Destabilisierung des Nahen Ostens erhöht zudem das Risiko terroristischer Anschläge. In Verbindung mit russischer Desinformation führt dies zu einer stärkeren Polarisierung der öffentlichen Meinung und begünstigt den Aufstieg radikaler politischer Kräfte – sowohl am rechten als auch am linken Rand –, die nicht selten Verbindungen zu Russland aufweisen. Besonders deutlich wurde dies beim israelisch-palästinensischen Konflikt, der sich zunehmend auf die Straßen europäischer Städte verlagerte. Israels Vorgehen im Gazastreifen und im Libanon mit seinen massiven Zerstörungen und zahlreichen zivilen Opfern – darunter Frauen, Kinder, Journalisten und Mitarbeiter humanitärer Organisationen – verschärfte diese Entwicklung zusätzlich. Die russische Propaganda machte dafür im Globalen Süden, insbesondere in der muslimischen Welt, den sogenannten „kollektiven Westen“ verantwortlich, zu dem auch Polen gezählt wird.
Ein Krieg gegen den Iran, in den Israel die Vereinigten Staaten hineingezogen hat, war ein Wunschtraum des Putin-Regimes. Die Ölpreise schossen in die Höhe, und die USA lockerten vorübergehend die Sanktionen gegen russische Energieträger, um den Markt zu stabilisieren. Gleichzeitig verschärften sich die Spannungen innerhalb des transatlantischen Bündnisses, nachdem mehrere europäische NATO-Mitglieder den amerikanischen Druck zurückgewiesen hatten, sich am Krieg gegen den Iran zu beteiligen.
Russland hatte allerdings auf noch mehr gehofft. Schon während des sogenannten Zwölftagekriegs von 2025 setzte Moskau darauf, dass die USA schließlich Bodentruppen entsenden würden. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass Russland über erhebliche Einflussmöglichkeiten in Israel verfügt. Der heutige Mossad-Chef wurde in Belarus geboren. Während des Syrienkrieges half der Kreml Israel bei der Aufklärung iranischer Ziele – eine Tatsache, die iranische Gesprächspartner in vertraulichen Gesprächen selbst einräumten.
Es überrascht daher nicht, dass sowohl Russland als auch Israel an einer Eskalation interessiert waren, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Selbst in Teheran war man sich bewusst, dass hinter den offiziellen Solidaritätsbekundungen Moskaus vor allem Eigennutz steckte. Russland wollte den Iran nutzen, um die Vereinigten Staaten in einen „Nahost-Vietnamkrieg“ hineinzuziehen. Ein solcher Konflikt hätte Moskau die Möglichkeit eröffnet, die NATO-Ostflanke mit hybriden Mitteln zu testen und vermutlich Provokationen gegen einen der baltischen Staaten zu inszenieren.
Natürlich hat der Iran einen Fehler begangen, als er Russland seine Shahed-Drohnen zur Verfügung stellte und sich damit faktisch am russischen Krieg gegen die Ukraine beteiligte. Eine Gegenleistung erhielt Teheran vom Kreml kaum. Aus iranischer Sicht stellte sich die Situation jedoch anders dar: Nachdem der Westen das JCPOA – das frühere Nuklearabkommen – aufgegeben hatte, sah man die Auswahl möglicher Partner stark eingeschränkt. Zudem vertrat der harte Flügel der iranischen Führung die Ansicht, dass Russland zwangsläufig ein natürlicher Verbündeter sein müsse, wenn die USA als Feind betrachtet werden. Dabei wurden allerdings die engen russisch-israelischen Beziehungen ausgeblendet – ein Aspekt, auf den man in Teheran immer wieder hätte hinweisen müssen.
Am Freitag soll nun feierlich ein vorläufiges Abkommen unterzeichnet werden. Bis zu einer endgültigen Vereinbarung ist der Weg jedoch noch weit und wird zweifellos von zahlreichen Hindernissen geprägt sein. Russland hat ein klares Interesse daran, dass die Verhandlungen scheitern. Sollte jedoch tatsächlich ein endgültiges Abkommen zustande kommen, dürften die russischen Einflussmöglichkeiten im Iran rasch schwinden, während die Nachteile für Moskau wachsen würden.
Die Aufhebung der Sanktionen und die Öffnung des Marktes für iranisches Öl und Gas könnten den weltweiten Handel mit Energierohstoffen grundlegend verändern. Europa erhielte eine zusätzliche Möglichkeit zur Diversifizierung seiner Energieversorgung. Zwar wird sich der Iran weiterhin in erster Linie an China orientieren, doch Äußerungen iranischer Diplomaten, mit denen ich in den vergangenen Monaten gesprochen habe, deuten darauf hin, dass Teheran auch den Handel mit Europa ausbauen möchte. Polen sollte daher rasch zu den Investitionsplänen zurückkehren, die PGNiG und Orlen nach Abschluss des JCPOA bereits im Iran verfolgt hatten.
Zum Schluss eine persönliche Anmerkung: Vor Kurzem hat einer meiner Studenten eine ausgezeichnete Bachelorarbeit darüber geschrieben, wie sich die amerikanisch-vietnamesischen Beziehungen von einem blutigen Krieg zu einer pragmatischen Partnerschaft auf Grundlage gemeinsamer Interessen entwickelt haben. Ich bin überzeugt, dass eine ähnliche Entwicklung auch zwischen den USA und dem Iran möglich ist. Und sie könnte deutlich weniger Zeit in Anspruch nehmen – zum Glück ist uns ein „iranisches Vietnam“ erspart geblieben.
Witold Repetowicz
Witold Repetowicz ist Journalist und Nahost-Experte. Er ist Autor mehrerer Reportagebücher über Konflikte in der Region, berichtete aus Syrien und dem Irak und lehrt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Kriegskunst in Warschau.