Deutsche Redaktion

Wołodymyr Selenskyj schickt Orden des Weißen Adlers nach Polen zurück

21.06.2026 08:00
Der ukrainische Präsident hat den Orden des Weißen Adlers per Post nach Polen zurückgeschickt. Wie er mitteilte, sei die Ukraine Polen für die Unterstützung dankbar und bleibe offen für eine Zusammenarbeit. Als Reaktion auf die Aberkennung des Ordens für Selenskyj haben auch mehrere ukrainische Politiker auf ihre polnischen Staatsauszeichnungen verzichtet, darunter 3 ehemalige ukrainische Präsidenten.
Selenskyj hat ein Foto des Ordens des Weien Adlers verffentlicht. Darauf ist die Auszeichnung in einem Paket mit der Anschrift der Kanzlei des polnischen Prsidenten in Warschau zu sehen. Am Freitag hat Prsident Karol Nawrocki entschieden, Wołodymyr Selenskyj die hchste polnische Auszeichnung abzuerkennen.
Selenskyj hat ein Foto des Ordens des Weißen Adlers veröffentlicht. Darauf ist die Auszeichnung in einem Paket mit der Anschrift der Kanzlei des polnischen Präsidenten in Warschau zu sehen. Am Freitag hat Präsident Karol Nawrocki entschieden, Wołodymyr Selenskyj die höchste polnische Auszeichnung abzuerkennen. EPA/OLIVIER MATTHYS

Am Freitag hat Präsident Karol Nawrocki entschieden, Wołodymyr Selenskyj die höchste polnische Auszeichnung abzuerkennen. Hintergrund war die Benennung einer Einheit der ukrainischen Armee nach Helden der UPA durch den ukrainischen Präsidenten. Selenskyj hat ein Foto des Ordens des Weißen Adlers veröffentlicht. Darauf ist die Auszeichnung in einem Paket mit der Anschrift der Kanzlei des polnischen Präsidenten in Warschau zu sehen.

Wie Wołodymyr Selenskyj schrieb, habe er die Auszeichnung zurückgeschickt, die nach seinen Angaben im Jahr 2023 dem ukrainischen Volk und der ukrainischen Armee verliehen worden sei. Zugleich erinnerte er daran, dass der Orden weder der Zarin Katharina II. noch Benito Mussolini oder dem mit Russland verbundenen früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder aberkannt worden sei.

Weiter erklärte er, die Ukraine sei dem polnischen Volk für Unterstützung und Zusammenarbeit im Kampf für „unsere und eure Unabhängigkeit von Russland“ dankbar. Davon hänge die Sicherheit der Ukraine und ihrer Nachbarn ab. Nach den Worten Selenskyjs sei die Ukraine zudem bereit, mit Polen zusammenzuarbeiten, um allen unschuldigen Opfern des 20. Jahrhunderts die gebührende Achtung zu erweisen.

Ukrainische Politiker und ehemalige Präsidenten geben Auszeichnungen zurück

Als Reaktion auf die Aberkennung des Ordens des Weißen Adlers für Selenskyj haben mehrere ukrainische Politiker ebenfalls auf ihre polnischen Staatsauszeichnungen verzichtet. Dazu gehören Außenminister Andrij Sybiha, der Leiter des Präsidentenbüros Kyrylo Budanow, dessen Stellvertreter Ihor Schowkwa sowie der ukrainische Botschafter in Polen, Wasyl Bodnar.

Auch der frühere ukrainische Präsident Leonid Kutschma hat sich dem Schritt angeschlossen. Er war 1997 vom damaligen polnischen Präsidenten Aleksander Kwaśniewski mit dem Orden des Weißen Adlers ausgezeichnet worden.

Der dritte Präsident der Ukraine, Wiktor Juschtschenko, entschied ebenfalls, auf den Orden des Weißen Adlers zu verzichten. Dies sei ein Zeichen des Protests gegen Versuche, die Entscheidung über die Auszeichnung von Präsident Wołodymyr Selenskyj erneut zu überprüfen, erklärte die frühere Pressesprecherin Juschtschenkos, Iryna Wannykowa, am Samstagabend.

Auch der Vorsitzende der Partei Europäische Solidarität und ehemalige Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, erklärte, er verzichte auf den Orden des Weißen Adlers. Die Entscheidung des polnischen Präsidenten, dem amtierenden ukrainischen Staatsoberhaupt die Auszeichnung abzuerkennen, bezeichnete er als Fehler.

Polnisch-ukrainischer Streit über die UPA
Polen und die Ukraine bewerten die Tätigkeit der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) aus dem Zweiten Weltkrieg seit Jahren unterschiedlich. Aus polnischer Sicht handelte es sich bei den Ereignissen in Wolhynien im Jahr 1943 um einen Völkermord. In der Ukraine werden sie dagegen häufig als Folge eines symmetrischen bewaffneten Konflikts betrachtet, für den beide Seiten gleichermaßen verantwortlich gewesen seien. Die meisten Ukrainer sehen die OUN und die UPA vor allem als antisowjetische Organisationen – insbesondere wegen ihres Widerstands gegen die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg – und nicht als antipolnische Bewegungen.

IAR/RMF24/ps

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