Polens Regierungschef Donald Tusk hat am Mittwoch ein persönliches Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Ankara abgehalten.
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Anschluss an das Gespräch teilte Donald Tusk mit, er habe Präsident Erdogan einen „eindeutigen Vorschlag“ übermittelt, wonach die Türkei so viel Mitverantwortung wie möglich für den Friedensprozess und die Wahrung von Stabilität und Sicherheit in der gesamten Region übernehmen sollte.
Der türkische Präsident sprach u.a. über die guten Beziehungen zu Polen. „Wir haben 12 Milliarden Dollar an gemeinsamen Investitionen im Jahr 2024 erreicht. Wir haben den gemeinsamen Betrag auf 15 Mrd. USD festgelegt. Polen ist einer der wichtigsten Märkte für unseren Bausektor. Die Türkei und Polen verfügen über die beiden größten Bodentruppen in der NATO und in Europa und sind wichtige Verbündete an der Ost- und Südflanke der NATO. (...) Zusammen mit Donald Tusk haben wir auch die Zukunft der europäischen Sicherheit bewertet. Die Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich wurde ebenfalls besprochen“, erklärte Präsident Erdogan.
Der Politiker wies auf das große Potenzial der polnisch-türkischen Beziehungen in Bezug auf Handel, Investitionen und zwischenmenschliche Kontakte hin. Bei dem Gespräch ging es auch um die Beendigung des Krieges in der Ukraine. Die Politiker sprachen auch über den Krieg in Syrien und die Probleme in der Region.
Türkei: Ziel - EU-Beitritt
„Die EU-Mitgliedschaft als unser strategisches Ziel wird immer wieder betont. Die Zusammenarbeit mit der EU und gegenseitiger Respekt sind die Grundlage dafür. (...) Die aktuellen Gespräche zeigen, wie wichtig diese Zusammenarbeit ist“, sagte Erdogan. Ihm nach sollte die EU, um ihren Bedeutungsverlust zu verhindern, die Türkei aufnehmen. Polens Unterstützung dabei sollte verstärkt werden, betonte er.
Erdogan: Krieg muss enden
„Wir sehen das gestrige Treffen zwischen den USA und der Ukraine positiv und als sehr wichtig an. Nun sollte Russland in ähnlich konstruktiver Weise antworten. Die Haltung der Türkei ist klar und konkret. Um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, müssen wir den Krieg zu einem gerechten Ende bringen", unterstrich Erdogan.
Das türkische Staatsoberhaupt hat auch angeboten, einen Ort für Friedensverhandlungen zu geben. „Unsere Region hat genug Tränen und Krieg erlebt“, sagte er. Deshalb sei es sehr wichtig, dass in unseren Regionen endlich Frieden herrsche. „Als Türkei werden wir in dieser Richtung arbeiten (...). Ich bin sicher, dass der Besuch von Donald Tusk für unsere Zusammenarbeit von Nutzen sein wird. Ich danke Ihnen für diesen Besuch“, fügte er hinzu und kündigte seinen baldigen Besuch in Polen an.
Kurz vor seiner Abreise nach Ankara hatte Polens Regierungschef erklärt, sein Besuch in der Türkei sei von entscheidender Bedeutung, insbesondere für die Interessen Polens und die Sicherheit seiner Bürger. Polen sollte auch mit der Türkei Frieden und dauerhafte Stabilität an der russisch-ukrainischen Grenze sichern. Zuvor hatte Ankara den Willen Friedenstruppen in die Ukraine zu entsenden signalisiert. Tusks letzter Besuch in der Türkei hatte 2010 stattgefunden. Der letzte hochrangige Besuch Polens in der Türkei fand 2021 statt. Damals hatte Präsident Andrzej Duda ein Abkommen über den Kauf türkischer Bayraktar-Drohnen unterzeichnet.
IAR/gov.pl/ps