An der Ukraine Recovery Conference (URC2026) haben nach Angaben der polnischen Presseagentur PAP rund 7.500 Teilnehmer, fast 70 Regierungsdelegationen, mehr als 30 internationale Organisationen sowie 19 hochrangige Staatsdelegationen teilgenommen. Der Beauftragte der polnischen Regierung für den Wiederaufbau der Ukraine, Paweł Kowal, sagte, die Teilnahme von etwa der Hälfte der ukrainischen Kabinettsmitglieder habe der Konferenz einen „äußerst praktischen Charakter“ verliehen. Die geschlossenen Vereinbarungen würden Arbeitsplätze in Polen und anderen europäischen Ländern schaffen und zugleich den Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft fördern. Im Mittelpunkt der Konferenz standen Investitionen, Infrastruktur, Verteidigung, Energie, Technologie, regionale Entwicklung sowie der Weg der Ukraine in die Europäische Union.
Die stellvertretende ukrainische Ministerpräsidentin Tetjana Bereschna erklärte, Informationssicherheit sei im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu einem festen Bestandteil der nationalen Sicherheit geworden. „Verlässliche Informationen und der Zugang zu Informationen sind entscheidende Voraussetzungen für unseren Sieg und unsere Verteidigung“, sagte sie. Russland versuche zugleich, das Vertrauen in die Ukraine zu untergraben und gezielt Journalisten anzugreifen. Seit Beginn der russischen Aggression seien 131 Journalisten getötet und 29 weitere entführt worden, fügte sie hinzu.
Die belarussische Oppositionsführerin Swjatlana Zichanouskaja teilte mit, die Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und den demokratischen Kräften in Belarus sei in eine neue Phase eingetreten. Sie verwies auf ihr erstes bilaterales Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie auf die Ernennung eines Sonderbeauftragten für die Beziehungen zu den demokratischen Kräften in Belarus durch Kiew. „Wir wissen, dass wir gegen denselben Gegner kämpfen – die politischen Ambitionen Russlands“, sagte sie.
Der polnische staatliche Exportkreditversicherer KUKE kündigte an, seine Unterstützung für Unternehmen auszubauen, die in der Ukraine investieren. Vertreter beider Länder hoben zudem die Zusammenarbeit in den Bereichen Telekommunikation, Cybersicherheit, Satellitentechnologie und anderen Technologien mit ziviler und militärischer Nutzung hervor, die sowohl die Verteidigung der Ukraine als auch den Wiederaufbau nach dem Krieg unterstützen könnten.
Der US-Energiekonzern GE Vernova kündigte an, den Wiederaufbau des ukrainischen Energiesektors durch die Lieferung von Gasturbinen und Investitionen in die Windenergie zu unterstützen. Zwei bereits in der Ukraine installierte mobile Gasturbinen würden nach Unternehmensangaben rund 200.000 Haushalte mit Strom versorgen.
Der Bürgermeister von Kyjiw, Vitali Klitschko, sagte, der polnische Schienenfahrzeughersteller Pesa sei daran interessiert, weitere Straßenbahnen an die ukrainische Hauptstadt zu liefern und dort ein Wartungszentrum für seine Fahrzeugflotte einzurichten.
Der polnische Nationale Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft hat zudem eine Vereinbarung mit dem ukrainischen Ministerium für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft unterzeichnet. Ziel sei der Aufbau eines Systems zur Finanzierung von Umweltschutzmaßnahmen in der Ukraine nach polnischem Vorbild. Am Rande der Konferenz wurde außerdem eine internationale Initiative zur Restaurierung der historischen St.-Nikolaus-Kirche in Kyjiw ins Leben gerufen. Die Organisatoren wollen dafür rund eine Million Euro einwerben.
Wirtschaft und Zukunft statt Geschichtsstreit
Zum Abschluss der Konferenz räumte Kowal ein, dass die historischen Streitfragen zwischen Polen und der Ukraine in den Wochen vor dem Treffen erneut aufgeflammt seien. Sie hätten jedoch das eigentliche Ziel der Konferenz nicht überschattet. „Wir haben unsere unterschiedlichen Auffassungen zur Geschichte geklärt“, sagte er. „Im Mittelpunkt der Konferenz in Gdańsk standen jedoch die Wirtschaft und die Planung für die Zukunft.“
Außenminister Radosław Sikorski erklärte, polnische Unternehmen könnten zu den größten Gewinnern des Wiederaufbaus der Ukraine zählen. Voraussetzung seien jedoch weitere Reformen in Kiew, ein entschlossener Kampf gegen Korruption sowie transparente öffentliche Vergabeverfahren.
Die jährlich stattfindende Ukraine Recovery Conference soll internationale politische und finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau der Ukraine nach der russischen Großinvasion mobilisieren. Frühere Konferenzen fanden in Lugano, London, Berlin und Rom statt.
IAR/PR/ps