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Experte: Russland bleibt auch nach einer Niederlage in der Ukraine eine Gefahr für Europa

27.06.2026 11:09
Selbst wenn Russland den Krieg gegen die Ukraine nicht gewinnen sollte, wird das Land eine ernsthafte Bedrohung für Europa und die NATO bleiben. In einem Beitrag für das US-amerikanische außenpolitische Magazin Foreign Affairs warnt der Russland-Experte Michael Kofman davor, die militärischen Fähigkeiten Moskaus zu unterschätzen.
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Bild:Sputnik /Dmitry Astakhov/Pool via REUTERS

Kofman geht davon aus, dass Russland seine Streitkräfte nach dem Ende des Krieges schneller wiederaufbauen könnte als zunächst erwartet. Nach Einschätzung vieler Militäranalysten könne die russische Armee innerhalb von fünf bis sieben Jahren wieder über ausreichende Fähigkeiten verfügen, um begrenzte militärische Operationen gegen NATO-Staaten durchzuführen. Auch wenn dieser Prozess länger dauern sollte, sei dies aus Sicht der militärischen Planung ein vergleichsweise kurzer Zeitraum.

Der Experte verweist darauf, dass Russland trotz der hohen Verluste in der Ukraine seine Streitkräfte personell erheblich ausgeweitet hat. Nach britischen Geheimdienstschätzungen wurden seit Beginn des russischen Angriffskrieges mindestens 400.000 Soldaten getötet und zwischen 600.000 und 800.000 verwundet. Gleichzeitig sei die Stärke der russischen Armee von rund 850.000 auf etwa 1,3 Millionen Soldaten angewachsen. Zudem habe Moskau die Produktion von Munition, Drohnen und Luftverteidigungssystemen deutlich erhöht.

Nach Ansicht Kofmans verfügen die NATO-Staaten zwar insgesamt weiterhin über die stärkeren Streitkräfte. Dennoch müsse sich das Bündnis auf eine modernisierte russische Armee einstellen. Russland könne auch ohne die Fähigkeit zu einer groß angelegten Invasion eine ernsthafte Bedrohung für einzelne NATO-Mitglieder darstellen und versuchen, die Geschlossenheit des Bündnisses zu untergraben – insbesondere dann, wenn das Engagement der USA in Europa nachlasse.

Der Militärexperte warnt deshalb davor, den Zustand der russischen Armee ausschließlich anhand ihrer Leistungen im Ukraine-Krieg zu beurteilen. Es sei irreführend, von den aktuellen Schwierigkeiten Russlands auf dessen zukünftige militärische Fähigkeiten zu schließen. Die russischen Streitkräfte seien durchaus in der Lage, aus den Erfahrungen des Krieges zu lernen und ihre Strukturen weiterzuentwickeln.

Als größte Schwächen der russischen Armee nennt Kofman eine stark zentralisierte Führung, Korruption, mangelndes Vertrauen zwischen Offizieren und Soldaten sowie eine militärische Kultur, die auf Zwang statt auf Eigenverantwortung beruhe. Diese Probleme erschwerten zwar eine umfassende Modernisierung, änderten aber nichts an der grundsätzlichen Gefahr, die Russland für die europäische Sicherheitsordnung darstelle.


foreign affairs/jc