Deutsche Redaktion

Tusk mahnt zu Vorsicht bei neuen Ukraine-Zusagen

03.07.2026 15:46
Polen werde seine Haltung zur Unterstützung der Ukraine nicht ändern, sagte der Regierungschef. Zugleich warnte er davor, weitere finanzielle Verpflichtungen leichtfertig einzugehen. In Bezug auf den Geschichtsstreit zwischen Warschau und Kiew äußerte sich Tusk nach einem Treffen der Außenminister beider Länder in Warschau vorsichtig optimistisch.
Ministerprsident Donald Tusk whrend einer Pressekonferenz in der Kanzlei des Ministerprsidenten in Warschau am 3. dieses Monats. (ad) PAPLeszek Szymański
Ministerpräsident Donald Tusk während einer Pressekonferenz in der Kanzlei des Ministerpräsidenten in Warschau am 3. dieses Monats. (ad) PAP/Leszek SzymańskiFoto: PAP/Leszek Szymański

Ministerpräsident Donald Tusk hat vor dem bevorstehenden NATO-Gipfel in Ankara zu Zurückhaltung bei möglichen neuen finanziellen Zusagen an die Ukraine aufgerufen. Die Ukraine brauche weiter Unterstützung, sagte Tusk am Freitag in Warschau. Polen müsse aber zugleich seine besondere Verantwortung für den Schutz der Ostgrenze der Europäischen Union berücksichtigen.

Tusk erklärte, er habe Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz und Außenminister Radosław Sikorski gebeten, Präsident Karol Nawrocki genau über die Haltung der Regierung zu informieren. Nawrocki soll Polen beim NATO-Gipfel vertreten. Dort werde es nach Einschätzung Tusks auch darum gehen, wie Europa seine Verteidigungsbereitschaft künftig organisiert und finanziert.

Polen werde seine Haltung zur Unterstützung der Ukraine nicht ändern, sagte der Regierungschef. Zugleich warnte er davor, weitere finanzielle Verpflichtungen leichtfertig einzugehen. Polen trage eine besondere Last, weil es nicht nur die eigene Grenze, sondern auch die Außengrenze der EU gegen Bedrohungen aus dem Osten sichere.

Tusk äußerte sich auch zu einem Treffen der Außenminister beider Länder. Sikorski hatte am Freitag in Warschau mit seinem ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha gesprochen. Offiziell ging es um die bilateralen Beziehungen und die Lage an der Front im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Details zu möglichen Ergebnissen wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Nach Angaben Tusks gibt es Hinweise darauf, dass Kiew die Schärfe der jüngsten Spannungen erkannt habe. Hintergrund ist der Streit über die Erinnerung an die Ukrainische Aufständische Armee UPA. In Polen wird sie vor allem mit den Massakern an polnischen Zivilisten in Wolhynien im Jahr 1943 verbunden, die Warschau als Völkermord einstuft. In der Ukraine gilt die UPA vielen dagegen als Symbol des Unabhängigkeitskampfes und des Widerstands gegen die Sowjetunion.

Zuletzt hatte die Benennung einer ukrainischen Militäreinheit nach den „Helden der UPA“ in Polen scharfe Kritik ausgelöst. Auch die Schaffung eines ukrainischen Nationalen Pantheons sorgt in Warschau für Sorge, weil dort künftig umstrittene historische Figuren geehrt werden könnten. Tusk sagte, gute polnisch-ukrainische Beziehungen lägen im Interesse beider Länder. Dafür brauche es aber auch guten Willen aus Kiew. Ein festes Auftreten Polens dürfe zugleich nicht von Verachtung oder Feindseligkeit geprägt sein.

IAR/PAP/adn


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