Deutsche Redaktion
Folge uns auf Google

Folge uns auf Google, um unsere News immer ganz oben zu sehen.

Wolhynien-Gedenktag: Nawrocki will "polnische Ehre verteidigen" – Regierung mahnt zur Deeskalation

10.07.2026 11:55
Polens Präsident Nawrocki gedenkt am 11. Juli in Radruż der Opfer der Wolhynien-Massaker. Während sein Lager auf historischer Wahrheit und klarer Haltung zur UPA beharrt, ruft die Regierung zur Deeskalation auf. Kiew wirbt für einen behutsamen Dialog – auch mit Blick auf Russland.
Die Debatte am Dienstag knnte sich zu einer Debatte ber Wolhynien entwickeln. Die polnischen Europaabgeordneten werden das Thema deutlich ansprechen. Die PiS-Fraktion habe vier nderungsantrge eingereicht. Im ersten heie es, die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) sei eine Organisation, die sich auf die nationalsozialistische Ideologie beruft, f
Die Debatte am Dienstag könnte sich zu einer Debatte über Wolhynien entwickeln. Die polnischen Europaabgeordneten werden das Thema deutlich ansprechen. Die PiS-Fraktion habe vier Änderungsanträge eingereicht. Im ersten heiße es, die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) sei „eine Organisation, die sich auf die nationalsozialistische Ideologie beruft, füFoto: ipn.gov.pl

Am 83. Jahrestag des Blutsonntags von Wolhynien reist Polens Präsident Karol Nawrocki nach Radruż in Südostpolen. Dort will er am Samstag der Opfer der Massaker an polnischen Zivilisten gedenken. Der Gedenktag fällt inmitten des seit mehreren Woche dauernden Konflikts zwischen Warschau und Kiew über die Erinnerung an die Ukrainische Aufständische Armee UPA – und in eine Debatte, wie weit historische Konflikte die Zusammenarbeit beider Länder angesichts der russischen Bedrohung belasten dürfen.

Der Sprecher des Präsidenten, Rafał Leśkiewicz, kündigte Nawrockis Besuch in Radruż nahe der polnisch-ukrainischen Grenze an. Präsidentenminister Marcin Przydacz sagte, Nawrocki werde bei den Feiern „die historische Wahrheit und die polnische Ehre verteidigen“. Zunächst werde er sich aber „vor den Opfern verneigen“. Nawrocki hatte nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels in Ankara erklärt, für ihn seien „die UPA, die Symbole der UPA“ nicht verhandelbar.

Regierung appelliert um Deeskalation

Die Regierung in Warschau ruft zu einer Beruhigung der Lage auf. Verteidigungsminister und Vizepremier Władysław Kosiniak-Kamysz sagte: „Jetzt sollte es zu einer Deeskalation kommen.“ Polen müsse zu einer pragmatischen Politik zurückkehren, vor allem in Wirtschaftsfragen und bei der Unterstützung der Ukraine gegen Russland. Zugleich kritisierte Kosiniak-Kamysz ausdrücklich beide Seiten: Selenskyjs Schritt stärke in Polen extreme antiukrainische Kräfte; Nawrockis Entzug des Ordens habe dem polnischen Präsidenten politischen Nutzen gebracht. Teilen der Opposition warf er vor, sich in der Ukraine-Politik an dem rechtsradikalen Grzegorz Braun zu orientieren.

Außenminister Radosław Sikorski warnte vor einer Instrumentalisierung des Streits durch Moskau. Die aktuelle Kontroverse werde vom früheren russischen Präsidenten Dmitri Medwedew und von der Sprecherin des russischen Außenministeriums gelobt, sagte er. „Im Dreieck Polen–Ukraine–Russland gilt: Wo zwei sich streiten, profitiert der Dritte – und dieser Dritte ist immer Russland, zum Schaden sowohl der Ukraine als auch Polens.“

Auslöser der jüngsten Spannungen war Selenskyjs Entscheidung von Ende Mai, einer ukrainischen Militäreinheit den Namen „Helden der UPA“ zu geben. Dies stieß in Polen parteiübergreifend auf Kritik. Nawrocki entzog Selenskyj daraufhin den Orden des Weißen Adlers; Selenskyj schickte die Auszeichnung nach Warschau zurück. Auch weitere ukrainische Politiker gaben polnische Orden zurück, während Politiker der polnischen Opposition die Rückgabe ukrainischer Auszeichnungen ankündigten.

Der Leiter des ukrainischen Präsidialbüros Kyrylo Budanow legte in einem Interview mit RBK-Ukraina nach und behauptete, nach seinen Informationen bereite die polnische Seite im Vorfeld des Wolhynien-Jahrestags „eine ganze Reihe von Handlungen vor, die zur Eskalation führen“. 

Versöhnliche Signale nach Ankara

Selenskyj schlug nach dem Treffen mit Nawrocki in Ankara einen versöhnlicheren Ton an. Das Gespräch sei „wichtig, ziemlich lang und konstruktiv“ gewesen, sagte er. „Meiner Meinung nach sollten wir konstruktiv und behutsam sein, um die wichtigen, freundschaftlichen und nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen nicht zu zerstören.“ Beide Präsidenten betonten zugleich, Russland bleibe die gemeinsame Hauptbedrohung.

Der 11. Juli erinnert in Polen an den Höhepunkt der Wolhynien-Massaker. Nach Angaben polnischer Historiker griffen ukrainische nationalistische Einheiten am 11. Juli 1943 polnische Einwohner von etwa 150 Ortschaften in Wolhynien an. In den Jahren 1943 bis 1945 wurden auf Wolhynien und in Ostgalizien mehr als 100.000 Polen getötet. Als erster Massenmord gilt der Angriff vom 9. Februar 1943 auf das Dorf Parośla.

IAR/PAP/adn

EP-Resolution zur UPA: „Polen hat Einfluss in der EU“

09.07.2026 08:20
Ein EU-Beitritt, ohne die Achtung europäischer Grundwerte, sei nicht möglich, erklärte Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz zur Resolution des Europäischen Parlaments, die unter anderem die ukrainische Aufständische Armee UPA aus dem Zweiten Weltkrieg betrifft. Außenminister Radosław Sikorski zufolge, zeige dies der Ukraine, dass Polen als Mitglied der Europäischen Union innerhalb der Gemeinschaft Einfluss habe.

Mehr Dialog statt öffentlicher Eskalation — Wolhynien-Debatte erreicht europäische Ebene — 10-Punkte-Plan für Gesundheitswesen

09.07.2026 10:45
Polen stehe vor der schwierigen Aufgabe, das Gedenken an Tragödien wie das Massaker von Wolhynien mit den langfristigen sicherheitspolitischen Interessen des Landes in Einklang zu bringen, betonen Experten in ihrer Stellungnahme für Dziennik/Gazeta Prawna. Außerden: Welche Lehren sollte die Ukraine aus dem Warnsignal aus dem Europäischen Parlament ziehen. Und: Wie kann man das Gesundheitssystem heilen? Mehr dazu in der Presseschau.

Treffen Nawrocki-Selenskyj in Ankara: "Polen und die Ukraine blicken in dieselbe Richtung"

09.07.2026 11:29
Kein Durchbruch im Streit um UPA und Wolhynien, aber ein gemeinsames Signal gegen Russland: Polens Präsident Nawrocki und Ukraines Staatschef Selenskyj wollen nach ihrem Treffen in Ankara im Dialog bleiben. In Polen verschärft der Konflikt zugleich die innenpolitischen Spannungen.

Grundsatzdebatte: Polnische Historiker streiten über UPA, Wolhynien und den Umgang mit der Ukraine

09.07.2026 15:17
Am Rande einer Buchpremiere haben Historiker in Warschau über Wolhynien, die ukrainische Aufstandsarmee UPA und die heutige Ukraine-Politik Polens debattiert. Und warnen: Im aktuellen Streit zwischen Kiew und Warschau geht es auch darum, wie die Geschichte der Heimatarmee und UPA in Zukunft in Europa erzählt wird.