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Polens Molière: Festival in Warschau soll Komödien von Aleksander Fredro neu erschließen

15.07.2026 12:40
Fredro gilt als bedeutendster Komödiendichter der polnischen Literatur. „Die Werke unterhalten und berühren seit Generationen und kommentieren menschliche Schwächen mit großer Genauigkeit“, erklären die Veranstalter des Warschauer Festivals, das die Werke Fredros neu erschließen soll.
Plakat festiwalu zaprojektowany przez Rafała Olbińskiego
Plakat festiwalu zaprojektowany przez Rafała Olbińskiegomateriały promocyjne

Mit Aufführungen seiner bekanntesten Stücke, einer Freiluftausstellung und Stadtspielen erinnert Warschau an Aleksander Fredro. Das Festival „Fredro w Łazienkach“ (Fredro im Łazienki-Park) beginnt am 15. Juli, dem 150. Todestag des Schriftstellers, in den Königlichen Łazienki und dauert bis zum 19. Juli.

Eröffnet wird das Festival mit „Zemsta“ im Amphitheater. In den folgenden Tagen stehen „Dożywocie“, „Śluby panieńskie“ sowie eine Premiere von „Damy i huzary“ auf dem Programm.

Fredro gilt als bedeutendster Komödiendichter der polnischen Literatur. Seine Stücke gehören seit fast zwei Jahrhunderten zum festen Repertoire polnischer Bühnen. Sie verbinden präzise konstruierte Intrigen mit Sprachwitz und einem genauen Blick auf Eitelkeit, Streitlust, Geldgier und gesellschaftliche Konventionen.

„Die Werke unterhalten und berühren seit Generationen und kommentieren menschliche Schwächen mit großer Genauigkeit“, erklären die Veranstalter. Das Festival solle Fredros Texte neu erschließen und aus der Perspektive eines heutigen Publikums betrachten.

Theater, Ausstellung und Spiele

Zum Programm gehört eine Freiluftausstellung über Leben und Werk des Autors. Sie stellt auch den historischen und kulturellen Hintergrund seiner Epoche vor. Hinzu kommen Angebote für Kinder, Gespräche über Fredros Schaffen und Videoaufführungen historischer Inszenierungen des polnischen Fernsehtheaters.

Ein nächtliches Geländespiel mit dem Titel „Das Gespenst im Amphitheater“ und ein Stadtspiel sollen das Jubiläum über die klassischen Theateraufführungen hinaus öffnen. Die Organisatoren beschreiben das Festival als Verbindung von Kunst, Bildung und der Atmosphäre der ehemaligen königlichen Residenz.

Offizier in Napoleons Armee

Aleksander Fredro wurde am 20. Juni 1793 in Suchorów bei Przemyśl geboren. Mit 16 Jahren trat er in die Armee des Herzogtums Warschau ein und diente bis 1814 in den napoleonischen Truppen. Er kämpfte bei Dresden und Leipzig und nahm am Feldzug nach Moskau teil. Aus russischer Gefangenschaft entkam er den überlieferten Angaben zufolge in Bauernkleidung.

Seine Erfahrungen aus dieser Zeit hielt er später in den Erinnerungen „Trzy po trzy“ fest. Das Werk ist weniger bekannt als seine Komödien, zeigt Fredro aber als ironischen Beobachter der napoleonischen Epoche.

Nach seiner Rückkehr lebte er auf dem Familienbesitz Beńkowa Wisznia. Für gesellschaftliches Aufsehen sorgte seine Beziehung zu Zofia Skarbkowa, der Ehefrau eines einflussreichen galizischen Adeligen. Fredro warb zehn Jahre um sie. Nach ihrer Scheidung heirateten beide.

Rund 30 Bühnenwerke

Erst nach seinem 30. Lebensjahr widmete sich Fredro intensiv dem Schreiben. Insgesamt entstanden rund 30 Theaterstücke. Besonders „Zemsta“ und „Śluby panieńskie“ sind bis heute in Polen populär.

Fredros Bedeutung für das polnische Theater lässt sich für ein deutschsprachiges Publikum annähernd mit der dauerhaften Präsenz Molières oder Nestroys vergleichen. Seine Werke sind historisch verwurzelt, ihre Konflikte aber zeitlos: Nachbarn streiten um Besitz und Ehre, junge Menschen widersetzen sich den Plänen ihrer Familien, und selbstbewusste Figuren scheitern an ihrer eigenen Eitelkeit.

Fredro starb am 15. Juli 1876 in Lemberg. Vor seinem Tod hinterließ er genaue Anweisungen zur Veröffentlichung und Aufführung seiner Werke. 

PAP/adn


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