Russland nutze Künstliche Intelligenz inzwischen gezielt zur Produktion und Verbreitung von Desinformation, sagte Chłoń. Falsche Narrative würden zunächst über wenig bekannte Informationskanäle verbreitet und anschließend so lange verstärkt, bis sie Eingang in die öffentliche Debatte fänden. Neu sei der Versuch, auch große Sprachmodelle und Chatbots gezielt zu beeinflussen. Dadurch könnten Nutzer bei Suchanfragen oder Fragen an KI-Systeme zunehmend Antworten erhalten, die Russland weniger kritisch darstellten.
Polen sei wegen seiner Unterstützung der Ukraine und seiner Lage an der NATO-Ostflanke ein bevorzugtes Ziel russischer Desinformationskampagnen. Ein Großteil der Einflussoperationen richte sich gegen die Ukraine. Nach Angaben Chłońs sei die Unterstützung der polnischen Bevölkerung für die Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Jahr 2022 deutlich zurückgegangen.
„Es fällt uns schwer, mit positiven Informationen durchzudringen – etwa damit, dass ukrainische Unternehmen und Arbeitskräfte viermal mehr zum polnischen Staatshaushalt beitragen, als sie an Unterstützung erhalten, dass viele Wirtschaftszweige ohne Beschäftigte aus der Ukraine nicht funktionieren würden und dass zehn Prozent aller neu gegründeten Unternehmen in Polen von Ukrainern gegründet werden“, sagte Chłoń.
Desinformation sei eine besonders kostengünstige und zugleich wirkungsvolle Form hybrider Kriegsführung, erklärte der Diplomat. Gleichzeitig kritisierte er die großen Online-Plattformen. Trotz entsprechender EU-Vorschriften würden sie nur einen kleinen Teil gemeldeter Falschinformationen entfernen. Nach seinen Angaben werde deshalb in der Europäischen Union über eine stärkere finanzielle Unterstützung von Organisationen beraten, die Desinformation aufdecken und bekämpfen.
IAR/jc