Deutsche Redaktion

Russische Dienste setzen verstärkt auf Sabotageakte in Polen

06.05.2026 13:30
Russische Dienste setzen laut dem Chef des polnischen Inlandsgeheimdienstes ABW verstärkt auf Sabotageakte in Polen. Außerdem schauen wir auf die Debatte zu möglichen Verfassungsänderungen sowie auf internationale Influencer, die Polen als modernes und sicheres Reiseland entdecken.
Dobrzyński: raport ABW prezentuje zagrożenia dla bezpieczeństwa Polski
Dobrzyński: raport ABW prezentuje zagrożenia dla bezpieczeństwa Polskigov.pl

RZECZPOSPOLITA: Russische Dienste setzen verstärkt auf Sabotageakte in Polen

Der Leiter der polnischen Sicherheitsbehörde ABW, Oberst Rafał Syrysko, warnt vor einer zunehmenden Bereitschaft russischer Dienste zu sogenannten kinetischen Operationen in Polen. Dabei handelt es sich um Aktionen, die reale Schäden und potenziell auch Todesopfer verursachen können, erklärte er in einem Interview mit der Tageszeitung Rzeczpospolita.

Nach Angaben Syryskos ist Polen verstärkt Ziel sogenannter „Low-Cost-Agenten“. So werden kurzfristig und kostengünstig rekrutierte Personen bezeichnet, die für Sabotageakte eingesetzt werden. Russland nutze diese Akteure etwa für Brandstiftungen oder körperliche Angriffe. Die Vielzahl und Dezentralität solcher Aktionen solle unter anderem die polnische Spionageabwehr überlasten und von komplexeren Operationen ablenken.

Zunehmend griffen russische Dienste zudem auf Personen aus kriminellen Milieus zurück, was sowohl die Rekrutierungszeit verkürze als auch zu einer Brutalisierung der Methoden führe. Russland nehme dabei bewusst in Kauf, dass solche Operationen auch zivile Opfer fordern könnten, lesen wir in dem Blatt.

Syrysko bestätigte zudem Aktivitäten chinesischer Nachrichtendienste in Polen, betonte jedoch deren andere strategische Ausrichtung. Demnach konzentriere sich Peking vor allem auf wirtschaftliche Expansion, Lobbyarbeit sowie sogenannte Soft-Power-Maßnahmen zur langfristigen Einflussnahme.

Das Risiko islamistischer Terroranschläge in Polen schätzt der ABW-Chef derzeit als vergleichsweise gering ein. Besonders besorgniserregend sei aber die Radikalisierung junger Menschen. Diese werde durch die zunehmende Gewöhnung an Gewaltinhalte im Internet und eine sinkende Hemmschwelle gegenüber menschlichem Leid begünstigt. Einzelne Täter, so genannte einsame Wölfe, stellten daher eine reale Bedrohung dar, sagt Oberst Rafał Syrysko in Rzeczzpospolita.

 

DO RZECZY: Verfassungsdebatte in Polen

In Polen wird derzeit intensiv über mögliche Änderungen der Verfassung diskutiert. Der Historiker Antoni Dudek äußerte sich dazu kritisch im Wochenmagazin Do Rzeczy. Hintergrund ist ein Vorstoß des Vorsitzenden der Partei Recht und Gerechtigkeit, Jarosław Kaczyński, der eine Änderung des politischen Systems sowie die Eliminierung von Politikern gefordert hatte, die sich nicht an Regeln hielten.

Dudek stellte diese Forderung infrage und verwies darauf, dass Kaczyński unter demokratischen Bedingungen kaum erklären könne, wie ein führender Oppositionspolitiker wie Donald Tusk politisch eliminiert werden solle, dessen Partei aktuell in Umfragen vorn liege.

Nach Ansicht des Historikers habe Kaczyński bereits 2015 die Möglichkeit gehabt, grundlegende Verfassungsänderungen durchzusetzen. Damals verfügte PiS über eine parlamentarische Mehrheit, und die Bewegung um Paweł Kukiz habe zusätzliche Unterstützung signalisiert. Gemeinsam mit weiteren Parteien hätte eine verfassungsändernde Mehrheit erreicht werden können. Aus nicht näher erläuterten Gründen sei dieses Vorhaben jedoch nicht weiterverfolgt worden.

Grundsätzlich halte der Historiker eine Reform der Verfassung für sinnvoll. Die zentrale Hürde seien jedoch die dominierenden politischen Akteure Kaczyński und Tusk. Solange beide weiterhin die politische Szene prägten, sei nicht mit grundlegenden Veränderungen zu rechnen. Der Historiker spricht von einer konstitutionellen Blockade, die beiden Seiten letztlich nütze und voraussichtlich auch durch kommende Wahlen nicht aufgelöst werde, schreibt die Wochenzeitschrift Do Rzeczy.

 

FAKT: Ausländische Influencer entdecken Polen als Reiseziel

In sozialen Medien ist seit einigen Jahren ein wachsendes Interesse an Polen als Reiseziel zu beobachten. Zahlreiche internationale Influencer berichten in Videoblogs über ihre Eindrücke – oft mit überraschend positiven Erfahrungen, stellt das Blatt Fakt fest. So schilderte ein schwedischer Tourist in einer Straßenumfrage gängige Stereotype aus seiner Heimat: Polen werde dort häufig als graues Land wahrgenommen, das mit veralteter Infrastruktur und Bildern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs assoziiert werde.

Seine eigenen Erfahrungen zeichneten jedoch ein anderes Bild. Städte wie Kraków empfinde er als sicher und angenehm. In keiner Gegend habe er sich unsicher gefühlt – im Vergleich zu Schweden sogar deutlich weniger als in seiner Heimat. Neben der Sicherheit hob der Tourist auch die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung hervor. Er führte dies unter anderem auf ein weniger umfassendes Sozialsystem im Vergleich zu skandinavischen Ländern zurück, wodurch der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werde.

Auch der niederländische Influencer Luke Patrick äußerte sich positiv über Polen. Besonders beeindruckt zeigte er sich vom sozialen Leben im öffentlichen Raum. So berichtete er von Menschen, die sich im Sommer in Parks versammeln, um gemeinsam Zeit zu verbringen oder klassischer Musik zu lauschen – etwa am Chopin-Denkmal in Warschau. Ähnliche Eindrücke schilderte der YouTuber Dutch Travel Maniac, der eine große Anhängerschaft hat. Er betonte vor allem die Sauberkeit und Ordnung in polnischen Städten sowie das hohe Sicherheitsgefühl. Während seines Aufenthalts sei er weder mit Vandalismus noch mit aufdringlichem Verhalten konfrontiert worden.

Die Berichte internationaler Besucher tragen zunehmend dazu bei, das Image Polens im Ausland zu verändern und bisherige Klischees zu relativieren, freut sich die Tageszeitung Fakt.

Jakub Kukla

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