Nach Angaben russischer Marktanalysten könnten die Schäden für die betroffenen Händler erheblich sein. Das Analyseunternehmen Data Insight schätzt, dass sich der Warenwert in den zerstörten Lagern – sofern diese vollständig ausgelastet gewesen sein sollten – auf 100 bis 120 Milliarden Rubel (1,1 bis 1,3 Milliarden Euro) belaufen haben könnte. Allein im Logistikzentrum in der Region Krasnodar sollen rund 1.000 Händler Waren gelagert haben.
Besonders große Aufmerksamkeit erregten Videos betroffener Unternehmer. „Minus neun Millionen Rubel. Neun Millionen!“, klagte eine Online-Händlerin, deren Waren in den Lagern zerstört wurden. „Sag mir, wie ich jetzt leben soll, du Hu..sohn“, schimpfte sie und forderte staatliche Hilfe sowie Steuererleichterungen für betroffene Händler.
Andere Betroffene äußerten die Sorge, dass weitere Angriffe folgen könnten. Eine Bloggerin aus Irkutsk rief Menschen in gefährdeten Regionen dazu auf, wegzuziehen. „Wenn ihr die Möglichkeit habt, geht. Nehmt eure Kinder mit. Fahrt nach Sibirien, nach Irkutsk oder sogar nach China. Sucht euch einen Ort, der möglichst weit von all dem entfernt ist“, sagte sie in einem Video.
Ein weiterer Unternehmer erklärte, ihm sei das Ausmaß der Verluste erst nach und nach bewusst geworden. „Wir haben keine Waren mehr, alles ist verbrannt. Wir haben Kredite und Schulden, aber keine Einnahmen mehr“, sagte er.
Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Piotr Mickiewicz von der Universität Gdańśk verfolgen die ukrainischen Streitkräfte mit den Angriffen nicht nur militärische Ziele. „Die Ukrainer suchen spektakuläre Ziele, die die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen und das Bewusstsein gewöhnlicher Russen erreichen“, sagte er. Ziel sei es, der russischen Bevölkerung zu verdeutlichen, dass der Krieg nicht mehr fern sei, sondern zunehmend den Alltag und die wirtschaftliche Existenz gewöhnlicher Menschen beeinflusse.
Gleichzeitig rechnet der Experte nicht mit größeren Protesten gegen den Kreml. Wahrscheinlicher sei, dass die Unzufriedenheit im privaten Umfeld wachse, während die Menschen ihre Kritik aus Angst vor staatlichen Repressionen nicht öffentlich äußerten.
Wildberries gilt als größte Online-Handelsplattform Russlands. Über das Unternehmen vertreiben Tausende Händler Millionen von Produkten.
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