Die Schau zeichnet den Wandel der Bewohner des Vorkriegs-Warschau nach – von den eleganten Einwohnern einer Metropole, die in den 1930er Jahren als Zentrum der polnischen Mode galt, über improvisierte Änderungen von Kleidung während der deutschen Besatzung bis hin zu den Kämpfern des Warschauer Aufstands, die meist in ziviler Kleidung mit einer weiß-roten Armbinde kämpften.
„Seidenkrawatten und elegante Kleider weichen Kleidungsstücken aus Stoffresten. Aus einem Statussymbol wird zunächst ein Mittel zum Überleben und schließlich ein Zeichen der Zugehörigkeit“, erklären die Kuratoren das Konzept der Ausstellung.
Museumsdirektor Jan Ołdakowski betonte, gepflegte Kleidung habe während der Besatzungszeit eine besondere symbolische Bedeutung gehabt. „Die Menschen wollten den deutschen Besatzern zeigen, dass ihr Versuch gescheitert war, die Warschauer zu entwürdigen. Eleganz wurde zu einer Form des Widerstands“, sagte er.
Zu den bedeutendsten Exponaten zählt die Jacke des Regisseurs und Heimatarmee-Soldaten Antoni Bohdziewicz, der während des Aufstands die Filmchronik der Kämpfe leitete. Er trug die Jacke während der gesamten 63 Tage des Aufstands und auch noch viele Jahre nach dem Krieg.
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist das Schuhwerk der Aufständischen. Besonders begehrt waren hohe Lederstiefel, die Schutz beim Durchqueren der Trümmer boten. Frauen trugen häufig Sandalen aus Wildleder, Seil oder Kork, teilweise auch Holzschuhe.
Darüber hinaus erinnert die Ausstellung an die berühmten Modehäuser des Vorkriegs-Warschau, darunter das traditionsreiche Modehaus Herse sowie das Kaufhaus der Brüder Jabłkowski. Viele der eleganten Kleidungsstücke wurden während der Besatzung umgearbeitet und den schwierigen Lebensbedingungen angepasst. Kleidung verlor ihren repräsentativen Charakter und wurde zum praktischen Mittel des Überlebens.
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Besonderes Augenmerk gilt den weiß-roten Armbinden, die den zivilen Kämpfern den Status eines Aufständischen verliehen. Die oft verblassten Stoffbänder mit dem Stempel der Polnischen Armee waren vielfach das einzige Erkennungszeichen und zugleich Symbol des geleisteten Eides und der Bereitschaft zum Kampf.
Die Ausstellung erzählt auch die Geschichte der Sanitäterin Krystyna Wańkowicz, der Tochter des Schriftstellers Melchior Wańkowicz. Sie zog zunächst in Rock und Bluse in den Aufstand, schnitt nach ihrer Ankunft bei ihrer Einheit ihre langen Zöpfe ab und zog eine Tarnjacke an. Sie fiel am sechsten Tag des Aufstands im Warschauer Stadtteil Wola. Ihre Mutter suchte nach dem Krieg lange vergeblich nach ihrer Tochter und orientierte sich dabei an deren ziviler Kleidung – ohne zu wissen, dass Krystyna inzwischen eine Uniform getragen hatte.
Żołnierze batalionu "Parasol" w czasie Powstania Warszawskiego. W środku Mara Stypułowska-Chojecka "Kama". Fot. Wikimedia commons/dp
Die Ausstellung wurde anlässlich des 82. Jahrestags des Warschauer Aufstands konzipiert. Kuratoren sind Adam Jeżewski und Dorota Rakowska. Sie ist vom 29. Juli 2026 bis Juni 2027 im Museum des Warschauer Aufstands zu sehen.
IAR/PAP/jc