Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie die Drohne mehrere Sekunden über dem 52-jährigen Mann kreist, während dieser an seinem Verkaufsstand arbeitet. Anschließend stürzt sie auf ihn herab und detoniert unmittelbar neben ihm. Der Mann überlebte den Angriff mit Splitterverletzungen und Prellungen und wird medizinisch behandelt.
Die ukrainische Polizei erklärte, der Mann habe „keinerlei Anzeichen einer militärischen Tätigkeit“ gezeigt. „Er verkauft lediglich Gemüse auf einem Markt. Dennoch wurde er zum Ziel der Soldaten des Aggressorstaates“, hieß es.
Nach einer Überprüfung der BBC ereignete sich der Angriff auf einem Markt im nördlichen Stadtteil Tawrijskyj von Cherson, unweit der Frontlinie.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den Angriff scharf. Die russischen Streitkräfte hätten „das Verbrechen sogar selbst eingeräumt, keinerlei Reue gezeigt und offen damit geprahlt, Menschen zu quälen“, erklärte er. Solche Angriffe gehörten inzwischen zum Alltag in Cherson.
Auch Außenminister Andrij Sybiha sprach von einem „barbarischen Kriegsverbrechen“ und forderte eine internationale Verurteilung sowie die strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen. Der Angriff sei Teil einer „vorsätzlichen und systematischen russischen Strategie“ gegen die Zivilbevölkerung.
Ein Bericht der Vereinten Nationen hatte bereits im vergangenen Jahr dokumentiert, dass russische Streitkräfte in der Region wiederholt Drohnen einsetzen, um Zivilisten gezielt anzugreifen. Die Veröffentlichung entsprechender Aufnahmen könne nach Einschätzung der UN selbst den Tatbestand eines Kriegsverbrechens erfüllen.
PAP/jc