Polen und die Ukraine hätten in den vergangenen Monaten eine schwierige Phase in ihren Beziehungen durchgemacht, sagte Bodnar. Es habe sich um „eine der größten Krisen in den bilateralen Beziehungen“ gehandelt. Die Spannungen nehmen inzwischen jedoch langsam ab.
Polen erhöhe seine Verteidigungsausgaben, modernisiere seine Streitkräfte und setze neue Technologien ein. Die Ukraine habe durch den Krieg wertvolle Erfahrungen gesammelt. „Unser Staat hat unschätzbare Erfahrungen gesammelt – oft mit dem Blut unserer Bürger bezahlt“, sagte der Botschafter. Diese Erfahrungen könnten eine Grundlage für eine engere Zusammenarbeit mit Polen sein.
Nach Angaben Bodnars leben rund zwei Millionen Ukrainer in Polen. Der Krieg und die bevorstehende Parlamentswahl 2027 führten zu zusätzlichen Spannungen in der Gesellschaft. Er verwies unter anderem auf Angriffe auf Ukrainer sowie auf eine zunehmend schärfere Rhetorik mancher Politiker. Dabei gehe es etwa um angebliche Privilegien für Ukrainer, Agrarimporte und die weitere Unterstützung der Ukraine.
Auch russische Propaganda spiele dabei eine Rolle. Russland versuche systematisch, die polnische und die ukrainische Gesellschaft gegeneinander aufzubringen, sagte Bodnar. Dies beeinflusse auch das Bild der Ukraine und der Ukrainer in Polen.
Nach Angaben des Botschafters wurden in Polen 2024 insgesamt 267 Fälle von Angriffen oder anderen aggressiven Handlungen gegen Ukrainer registriert. 2025 waren es 275 Fälle. Im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits 180 Fälle erfasst. Bodnar sprach von einem Anstieg um rund 30 Prozent.
Bodnar äußerte sich auch zu den historischen Konflikten zwischen Polen und der Ukraine. Er forderte weitere Untersuchungen zur Geschichte der Ukraine und Polens und einen besseren Zugang zu Archiven. Zugleich sagte er, die Ukraine müsse selbst untersuchen, welche Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs von ukrainischen Verbänden in Wolhynien begangen wurden.
Der Botschafter erwartet, dass das Thema Ukraine bis zur polnischen Parlamentswahl im Herbst 2027 eine wichtige Rolle in der politischen Debatte spielen wird. Dabei gehe es unter anderem um historische Fragen, die Anwesenheit von Ukrainern in Polen sowie wirtschaftliche und sicherheitspolitische Themen.
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