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Regierung streitet über mögliche Stationierung von US-Atomwaffen

28.08.2026 10:04
In Polen ist eine Debatte über eine mögliche Stationierung amerikanischer Atomwaffen auf polnischem Staatsgebiet entbrannt. Marcin Przydacz, Leiter des Büros für internationale Politik des Präsidenten Karol Nawrocki, erklärte, Polen wolle am Nato-Programm Nuclear Sharing teilnehmen und auch die Stationierung von US-Atomsprengköpfen im Land ermöglichen. Damit widersprach er ausdrücklich einer Aussage des stellvertretenden Verteidigungsministers Paweł Zalewski.
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Bild:shutterstock/ GAS-photo

„Polen will auch eine Präsenz von Sprengköpfen auf polnischem Territorium“, sagte Przydacz am Freitag dem Sender Polsat News. Die gegenteilige Aussage Zalewskis bezeichnete er als „kurios, absurd“ und als völlig unvereinbar mit der bisherigen polnischen Politik.

Zalewski hatte am Donnerstag nach einem Treffen mit dem stellvertretenden US-Verteidigungsminister Elbridge Colby im Nato-Hauptquartier in Brüssel erklärt, Polen wolle keine Atomwaffen auf seinem Territorium. Zugleich betonte er, Polen wolle Teil der nuklearen Abschreckung der Nato sein. Dies bedeute jedoch nicht, dass Atomwaffen in Polen stationiert werden müssten.

Przydacz warf Zalewski vor, entweder die Politik seines eigenen Landes nicht zu kennen oder eine eigene Linie gegen seinen Vorgesetzten, Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz, zu verfolgen. Durch seine Äußerungen sei bereits Schaden entstanden. Die Aussagen hätten sich weltweit „wie ein Lauffeuer“ verbreitet, sagte Przydacz.

Als Gründe für eine Stationierung von Atomwaffen in Polen nannte der Präsidentenberater die Abschreckung Russlands sowie eine stärkere Bindung der USA an die Verteidigung Polens. Die Präsenz amerikanischer Atomwaffen könne die Motivation Russlands für einen möglichen Angriff verringern und zugleich das amerikanische Engagement für die Verteidigung Polens stärken, argumentierte Przydacz. Allerdings verfüge Polen derzeit noch nicht über die notwendige Infrastruktur.

Auch Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz betonte am Donnerstagabend, dass sich die Position der Regierung nicht geändert habe. „Um alle Zweifel auszuräumen: Polen ist weiterhin an einer Beteiligung am Nato-Programm Nuclear Sharing interessiert“, schrieb er. Polen führe zudem Gespräche über einen möglichen Beitritt zu einem europäischen nuklearen Schutzschirm. „Die Position unserer Regierung in diesen Fragen ist eindeutig“, erklärte der Verteidigungsminister.

Przydacz brachte unterdessen auch personelle Konsequenzen für Zalewski ins Spiel. Premierminister Donald Tusk und Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz sollten dessen weitere Rolle in der Regierung überdenken, sagte er. Zalewski habe der polnischen Außen- und Sicherheitspolitik erheblichen Schaden zugefügt.

Das Nato-Programm Nuclear Sharing sieht vor, dass die USA Atomwaffen in ausgewählten Mitgliedstaaten stationieren, die selbst keine Atomwaffen besitzen. Derzeit nehmen Deutschland, Italien, die Niederlande, Belgien und die Türkei daran teil. Im Rahmen des Programms werden unter anderem amerikanische B61-Bomben auf Stützpunkten in Europa gelagert. Die Waffen bleiben in Friedenszeiten unter der Kontrolle der USA. Ein möglicher Einsatz würde eine politische Entscheidung innerhalb der Nato sowie die Zustimmung des US-Präsidenten und des jeweiligen Stationierungslandes voraussetzen.


PAP/IAR/jc

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