Polen hat erstmals den Rahmen für einen von Warschau geführten gemeinsamen Rüstungseinkauf mit Mitteln aus dem europäischen SAFE-Programm gesetzt. In den Mesko-Werken in Skarżysko-Kamienna unterzeichneten die polnische Rüstungsagentur und der Hersteller Mesko einen Rahmenvertrag über mehrere Tausend tragbare Flugabwehrsysteme vom Typ Piorun.
Das Vorhaben betrifft die polnischen Streitkräfte sowie drei NATO-Partner: Litauen, Lettland und Norwegen. Norwegen ist kein EU-Mitglied. Polen tritt bei dem Verfahren nicht nur als Empfänger auf, sondern auch als Lieferant und Verfahrensführer des Mehrländer-Einkaufs.
Der unterzeichnete Rahmenvertrag bedeutet noch keine formelle Bestellung. Dafür muss ein Ausführungsvertrag geschlossen werden, in dem unter anderem die Finanzierung festgelegt wird. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz kündigte an, darauf müsse man nicht länger als einige Tage warten. Den Wert des gesamten Vorhabens bezifferte er auf rund acht Milliarden Zloty, etwa 1,9 Milliarden Euro.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen mehr als 80 Prozent der Piorun-Systeme an die polnische Armee gehen. Weitere Lieferungen sind für Litauen, Lettland und Norwegen vorgesehen. Zum Paket gehören auch Simulatoren sowie Ausbildungs- und Logistikleistungen.
Kosiniak-Kamysz bezeichnete Piorun als Ergebnis polnischer technischer Entwicklung und als eine „Marke für sich“. Die tragbaren Flugabwehrsysteme dienen der Bekämpfung von Flugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern und Drohnen. Sie wurden 2018 eingeführt und gelten als Weiterentwicklung des Systems Grom.
Der Leiter der polnischen Rüstungsagentur, Generalmajor Artur Kuptel, dankte den Partnern für ihr Vertrauen. „Von heute an vertrauen uns als Rüstungsagentur auch die Litauer, Letten und Norweger, wofür ich herzlich danke“, sagte er. Das Verteidigungsministerium sieht in der Vereinbarung den Übergang von nationalen Beschaffungen zu gemeinsamen Einkäufen mit ausländischen Partnern im Rahmen von SAFE.
IAR/PAP/adn