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„Wie betrunkene Kinder im Nebel“: Psychologe fordert klare Alarmregeln

24.09.2026 11:15
Sirenen allein schaffen noch keine Sicherheit. Sozialpsychologe Tomasz Grzyb fordert eingeübte Abläufe, eindeutige Handlungsanweisungen und einen vertrauenswürdigen Warnkanal – auch gegen Desinformation.
Гучнагаварыцельaphichato/shutterstock

Sirenen sind nach Einschätzung des Sozialpsychologen Tomasz Grzyb kein ausreichendes Warnmittel, wenn Menschen nicht wissen, was sie danach tun sollen. Viele hätten entsprechende Situationen nie geübt und könnten deshalb weder die Bedeutung eines Signals noch den richtigen nächsten Schritt sicher einschätzen. „Wir sind ein bisschen wie betrunkene Kinder im Nebel“, sagte Grzyb mit Blick auf die gesellschaftliche Vorbereitung auf Krisen.

Unter starkem Stress suchten Menschen Orientierung bei jenen, die entschlossen zu handeln schienen, erläuterte der Dekan der psychologischen Fakultät der Universität SWPS in Wrocław. Ohne eingeübte Abläufe bestehe das Risiko, dass sie anderen blind folgten. Klare Anweisungen seien wirksamer als bloße Verbote: Eine Warnung solle zuerst konkret sagen, was zu tun sei, und anschließend erklären, weshalb.

Vorbereitung bedeute aus Grzybs Sicht nicht, Bevölkerung und Familien dauerhaft zu verunsichern. Sie könne Sicherheit und Handlungsfähigkeit schaffen: durch Absprachen für den Krisenfall, Kenntnisse über Fluchtwege sowie Vorräte und Pläne für Stromausfälle, Überschwemmungen oder andere Notlagen. Auch Übungen müssten mehr leisten, als die technische Funktion von Sirenen zu prüfen. Sie sollten vermitteln, welche Signale gelten und welche Informationen im Ernstfall zu erwarten sind.

Grzyb sieht Staat und Dienste in der Pflicht, einen einheitlichen und vertrauenswürdigen Informationskanal zu etablieren. Gerade bei einer ernsten Lage sei mit widersprüchlichen Meldungen und gezielter Desinformation in sozialen Netzwerken zu rechnen. Deshalb müsse bereits vor einer Krise klar sein, welche Stelle verbindliche Hinweise gibt. Für private Haushalte empfiehlt der Psychologe zudem einen Notfallplan: Wer Kinder abholt, wo Angehörige sich treffen und wie sie kommunizieren, wenn Telefone ausfallen.

PAP/adn

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