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Buch über Fluchtwege von NS-Verbrechern in Polen erschienen

03.10.2026 07:52
Wie entkamen NS-Verbrecher nach dem Zweiten Weltkrieg der Strafverfolgung, und wer half ihnen dabei? Diesen Fragen geht der Historiker Gerald Steinacher in seinem Buch „Zbiegli naziści. Jak hitlerowscy zbrodniarze uciekli przed sprawiedliwością“ („Geflohene Nazis: Wie NS-Verbrecher der Justiz entkamen“) nach, das jetzt in Polen erschienen ist. Anhand historischer Dokumente zeichnet der Autor die Fluchtwege ehemaliger Nationalsozialisten nach und untersucht die Netzwerke, die ihnen bei der Flucht aus Europa halfen.
Forensische Rekonstruktion der Identitt von Josef Mengeles Schdel noch vor den DNA-Analysen.
Forensische Rekonstruktion der Identität von Josef Mengeles Schädel noch vor den DNA-Analysen. Foto: Wikimedia

Zu den bekanntesten Beispielen gehört der NS-Arzt Josef Mengele, der als „Todesengel von Auschwitz“ bekannt wurde. Er entging der Strafverfolgung und starb 1979 in Brasilien, nachdem er beim Baden im Meer einen Schlaganfall erlitten hatte und ertrunken war. Seine Identität wurde erst später anhand seiner sterblichen Überreste zweifelsfrei bestätigt.

Mengele war im Vernichtungslager Auschwitz an der Selektion deportierter Juden beteiligt. Mit einer Handbewegung entschied er, wer zur Zwangsarbeit bestimmt war und wer in den Gaskammern ermordet werden sollte. Zudem führte er pseudomedizinische Experimente durch, insbesondere an Zwillingen. Überlebende berichteten von schmerzhaften Eingriffen, Injektionen und anderen medizinischen Versuchen.

Im Januar 1945 verließ Mengele Auschwitz kurz vor der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee. Nach mehreren Jahren im Untergrund floh er 1949 über Italien nach Argentinien. Dabei nutzte er gefälschte Dokumente, die über sogenannte „Rattenlinien“ beschafft wurden.

Rudolf Höss (rechts) im Jahr 1944 mit Richard Baer (links), dem letzten Lagerkommandanten von Auschwitz, und Josef Mengele (Mitte), dem berüchtigten Lagerarzt, der als „Todesengel“ bekannt war. Rudolf Höss (rechts) im Jahr 1944 mit Richard Baer (links), dem letzten Lagerkommandanten von Auschwitz, und Josef Mengele (Mitte), dem berüchtigten Lagerarzt, der als „Todesengel“ bekannt war.

Steinacher, Professor an der Universität Nebraska, widmet sich in fünf Kapiteln unter anderem den Fluchtrouten über Italien und nach Argentinien sowie der Rolle des Internationalen Roten Kreuzes. Dessen Dokumente wurden von einigen Flüchtigen genutzt, um neue Identitäten zu erhalten und Europa zu verlassen. Der Historiker untersucht außerdem die Beteiligung einzelner kirchlicher Kreise und des Vatikans sowie die Interessen der Alliierten vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges.

Zugleich widerspricht Steinacher dem verbreiteten Mythos einer geheimen Organisation namens ODESSA, die systematisch Fluchtwege für NS-Verbrecher organisiert haben soll. Diese Vorstellung sei vor allem durch Frederick Forsyths Roman „Die Akte Odessa“ bekannt geworden. Die tatsächlichen Fluchtrouten seien weniger spektakulär, aber historisch nicht weniger bedeutsam gewesen.

msn/jc

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