Die Bestattenen gehörten zu den mehr als 1.000 Einwohnern, die am 30. August 1943 in Ostrówki und dem nahe gelegenen Dorf Wola Ostrowiecka getötet wurden. In Polen ist das Geschehen als Massaker von Wolhynien bekannt. Die sterblichen Überreste wurden bei jüngsten Exhumierungsarbeiten geborgen.
Der stellvertretende Leiter des polnischen Instituts für Nationales Gedenken (IPN), Karol Polejowski, bezeichnete die Funde als „erschütternde Wahrheit“. Wie er bekannt gab, seien die meisten der auf dem Friedhof in Ostrówki erneut beigesetzten Opfer Frauen und Kinder. Der ungewöhnlich hohe Anteil deute auf einen geplanten und kaltblütig verübten Völkermord hin. „Das erschüttert einen, zwingt aber auch zu einer tiefen Auseinandersetzung mit dem, was damals geschehen ist“, sagte er.
Kulturministerin Marta Cienkowska bezeichnete die erneute Beisetzung als einen weiteren Schritt zur Aufarbeitung der Geschichte. „Ich habe den Eindruck, dass die ukrainische Seite zunehmend besser versteht, wie wichtig dies für die Polen ist“, fügte sie hinzu.
Der Präsidialberater und Bürgermeister von Chełm, Jakub Banaszek, versicherte, die Bemühungen um würdige Bestattungen aller Opfer des Massakers würden fortgesetzt werden. Die Suche nach den Opfern und ihre Exhumierung werden auch an anderen Orten weiter geführt. Dazu gehören Puźniki und Huta Pieniacka.
Die Massaker von Wolhynien waren eine Reihe ethnisch motivierter Morde während des Zweiten Weltkriegs, vor allem in den Jahren 1943 und 1944. Dabei wurden Zehntausende polnische Zivilisten von der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) in Gebieten getötet, die heute zur Westukraine gehören.
Die ehemaligen Dörfer Ostrówki und Wola Ostrowiecka gehörten einst zur ostpolnischen Region Wolhynien. Heute liegen sie nach den Grenzverschiebungen infolge des Zweiten Weltkriegs in der ukrainischen Region Wolhynien nahe der Stadt Kowel.
Die Ereignisse zählen bis heute zu den sensibelsten Themen in den polnisch-ukrainischen Beziehungen. Die damals zu Polen gehörende Region Wolhynien wurde 1939 im Zuge des Molotow-Ribbentrop-Paktes von der Sowjetunion besetzt, bevor sie 1941 von Nazi-Deutschland erobert wurde.
PAP/PR/ps