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Ungarn blockiert Ukraine, Polen fordert Gespräche über ukrainische Landwirtschaft

22.10.2026 12:00
Ungarn hat die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine in den beiden letzten noch offenen Bereichen Verkehr und Landwirtschaft blockiert. Das teilte ein hochrangiger EU-Diplomat dem Sender RMF FM mit. Polen will dagegen über ein Dokument zur ukrainischen Landwirtschaft beraten.
Die neue Regierung von Pter Magyar hat zwar nach dem Ende der Amtszeit von Viktor Orbn den Weg fr den Beginn der Verhandlungen freigemacht. Doch Magyar erklrt seinen Partnern, dass sich zwar die Machtverhltnisse in Ungarn gendert htten, nicht aber die Gesellschaft.
Die neue Regierung von Péter Magyar hat zwar nach dem Ende der Amtszeit von Viktor Orbán den Weg für den Beginn der Verhandlungen freigemacht. Doch Magyar erklärt seinen Partnern, dass sich zwar die Machtverhältnisse in Ungarn geändert hätten, nicht aber die Gesellschaft. EPA/Robert Hegedus

Ungarn hat der Übermittlung von Schreiben der EU-Staaten nicht zugestimmt. Diese hätten es der Ukraine ermöglicht, ihre Verhandlungsposition zu den Themen Verkehr und Landwirtschaft vorzulegen. Damit blockiert Ungarn die weiteren Verfahrensschritte in den beiden Bereichen, in denen die Verhandlungen noch nicht eröffnet wurden. „Ungarn blockiert die Schreiben“, sagte ein EU-Diplomat gegenüber RMF FM.
Die Übermittlung der Schreiben ist ein Schritt im Beitrittsverfahren. Obwohl es sich um ein technisches Verfahren handelt, ist dafür die einstimmige Zustimmung aller EU-Staaten erforderlich. Die Blockade Ungarns verzögert damit den gesamten Prozess.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte beim EU-Gipfel in der vergangenen Woche erklärt, die beiden noch ausstehenden Verhandlungscluster bis Ende des Jahres eröffnen zu wollen.

Polen fordert Beratungen über ukrainische Landwirtschaft 

Nach Informationen von RMF FM haben sich mehrere Mitgliedstaaten, darunter Polen, für Beratungen über eine gemeinsame EU-Position zur Landwirtschaft ausgesprochen. Polen hat noch keine formellen Einwände erhoben, will aber den Text zu Beschränkungen beim Zugang der Ukraine zum EU-Agrarmarkt besprechen.

Die Frage betrifft einen für Polen besonders sensiblen Wirtschaftsbereich. Warschau gehe es vor allem darum, einen automatischen Zugang ukrainischer Agrarprodukte zum EU-Markt im Zuge eines künftigen EU-Beitritts der Ukraine ohne entsprechende Schutzmaßnahmen zu verhindern.

Der ukrainische Minister für Agrarpolitik und Ernährung, Taras Wyssozkyj, hat die Möglichkeit dauerhafter Beschränkungen für den Zugang ukrainischer Produkte zum EU-Markt bereits entschieden abgelehnt.

Die Blockade Ungarns könnte Polen politisch gelegen kommen. Warschau muss die Verhandlungen nicht selbst bremsen und gewinnt zugleich Zeit, um über Schutzmaßnahmen für die Landwirtschaft zu beraten. Seit Wochen weisen EU-Diplomaten im Zusammenhang mit den ungarischen Vetos darauf hin, dass dahinter häufig auch andere Länder stünden.

Ungarn setzt Kiew unter Druck

Erst eine Woche zuvor hatte die Ukraine zwei weitere Verhandlungskapitel eröffnet: Binnenmarkt und Wettbewerbsfähigkeit. Auch diese hatte Ungarn zuvor blockiert. Grünes Licht gab Budapest erst, nachdem das ukrainische Parlament Änderungen an den Vorschriften zum Unterricht in den Sprachen nationaler Minderheiten verabschiedet hatte.

Die neue Regierung von Péter Magyar hat zwar nach dem Ende der Amtszeit von Viktor Orbán den Weg für den Beginn der Verhandlungen freigemacht. Doch Magyar erklärt seinen Partnern, dass sich zwar die Machtverhältnisse in Ungarn geändert hätten, nicht aber die Gesellschaft. Damit verweist er auf die anhaltende Ablehnung der Ukraine und ihrer EU-Mitgliedschaft in Ungarn.

Die Europäische Kommission schlägt unterdessen vor, bei solchen technischen Schritten im Beitrittsverfahren das Einstimmigkeitsprinzip aufzugeben und Entscheidungen mit qualifizierter Mehrheit zu treffen. Eine solche Änderung könnte jedoch auf Widerstand bei einigen Mitgliedstaaten stoßen, die die Kontrolle über das gesamte Verfahren behalten wollen.

RMF24/ps

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