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Sikorski warnt vor russischer Eskalation in Europa

25.10.2026 20:20
Polens Außenminister Radosław Sikorski hat vor einer weiteren russischen Eskalation in Europa gewarnt. „Wir wissen, welche konkrete Einheit des russischen Militärgeheimdienstes GRU dahintersteckt, und wir wissen, dass sie eine Eskalation planen“, sagte Sikorski in einem Interview mit dem US-Sender CNN.
Radosław Sikorski
Radosław SikorskiPAP/Marian Zubrzycki
Russland führe bereits einen hybriden Krieg gegen Europa, sagte Sikorski. Dazu zählte er Cyberangriffe, Spionage, Brandanschläge und Sabotageakte. Auch das Eindringen von Drohnen und die Erkundung kritischer Infrastruktur auf See gehörten dazu. In Polen komme es täglich zu Cyberangriffen und weiteren Provokationen, sagte der Minister.

Als Beispiel nannte Sikorski Sabotageakte an einer Bahnstrecke zwischen Warschau und der ukrainischen Grenze im November 2025. Damals war bei Mika in der Woiwodschaft Masowien ein Sprengsatz explodiert und hatte Gleise beschädigt. An einer weiteren Stelle bei Gołąb musste ein Zug mit 475 Fahrgästen wegen einer beschädigten Strecke abrupt bremsen. Zudem verwies Sikorski auf einen russischen Marschflugkörper, der Ende Juli in der Woiwodschaft Lublin abgestürzt und explodiert sei.

Mehr Druck auf Moskau gefordert

Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine forderte Sikorski, den Druck auf Moskau zu erhöhen. „Um den Krieg zu beenden, muss man den Aggressor unter Druck setzen und nicht das Opfer der Aggression“, sagte er. Damit reagierte er auf die Frage nach einer veränderten Haltung der US-Regierung, die Russland zunehmend als verhandlungsbereiter als die Ukraine darstelle.

Ein Krieg könne zwar auch durch eine Kapitulation beendet werden, sagte Sikorski. Entscheidend seien jedoch die Bedingungen für ein Kriegsende. Die Ukraine müsse mit Grenzen aus dem Konflikt hervorgehen, die sie verteidigen könne. Außerdem müsse sie sich zu einem Land entwickeln können, in das die Menschen zurückkehren wollten.

Sikorski sprach sich dafür aus, die Ukraine weiterhin militärisch und finanziell zu unterstützen. Die beste Antwort auf russische Provokationen sei mehr Hilfe für Kiew. Zugleich betonte er, dass europäische Staaten bei Entscheidungen über ein Ende des Krieges mitreden müssten.

Europa sieht sich als wichtigen Akteur

Auf die Frage, ob Europa auf mögliche Einschränkungen der US-Unterstützung vorbereitet sei, verwies Sikorski auf die bisherigen europäischen Leistungen. Die USA finanzierten die Ukraine seit Januar 2025 nicht mehr, sagte er. Europa trage die Kosten für den Unterhalt des ukrainischen Staates, für Waffenlieferungen und für die Produktion von Rüstungsgütern durch die ukrainische Industrie.

Als Druckmittel gegenüber Russland nannte Sikorski die in Europa eingefrorenen Vermögenswerte der russischen Zentralbank sowie die mehr als 20 Sanktionspakete der Europäischen Union. Besonders schwer wiege für Moskau der Verlust des lukrativen europäischen Marktes für Öl und Gas.

Der polnische Außenminister wies zudem Vorwürfe des russischen Außenministers Sergej Lawrow zurück, Europa habe den Krieg provoziert und eine Verständigung zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin verhindert. Die russischen Angriffe auf Europa zeigten vielmehr, dass Moskau die Bedeutung Europas für die Finanzierung und die Sicherheit zunehmend erkenne, sagte Sikorski.

Zugleich betonte er, dass europäische Demokratien nicht mit den Methoden Russlands vorgingen. Polen und seine Partner schickten weder Attentäter noch Drohnen für Terroraktionen nach Russland. Warschau wolle, dass Russland die Sicherheit der Ukraine respektiere und seine Verpflichtungen aus internationalen Vereinbarungen einhalte.

Sikorski verwies dabei auch auf das Budapester Memorandum von 1994, in dem Russland, die USA und Großbritannien der Ukraine im Zusammenhang mit deren Verzicht auf Atomwaffen Sicherheitszusicherungen gegeben hatten, sowie auf den bilateralen Grenzvertrag zwischen Russland und der Ukraine.

IAR/jc