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Geopolitik-Experte: Ein Anruf bei Putin kann die Ukraine politisch schwächen

02.11.2026 11:20
Der Direktor des Zentrums für Oststudien OSW, Wojciech Konończuk warnt vor einer Deutungsfalle: Für den Kreml zählt bei einem Telefonat vor allem, wer den Kontakt sucht. Das könne Moskau als Zeichen westlicher und ukrainischer Schwäche nutzen.
Der russische Prsident Wladimir Putin nimmt am 30. Oktober 2026 am Rande des dritten Russland-Afrika-Gipfels in Moskau, Russland, an einem Treffen mit dem Prsidenten des Staates Eritrea, Isaias Afwerki, teil. Der 3. Russland-Afrika-Gipfel findet vom 28. bis 29. Oktober parallel zu einem Wirtschafts- und Humanitren Forum statt. EPAMAXIM SHIPENKO
Der russische Präsident Wladimir Putin nimmt am 30. Oktober 2026 am Rande des dritten Russland-Afrika-Gipfels in Moskau, Russland, an einem Treffen mit dem Präsidenten des Staates Eritrea, Isaias Afwerki, teil. Der 3. Russland-Afrika-Gipfel findet vom 28. bis 29. Oktober parallel zu einem Wirtschafts- und Humanitären Forum statt. EPA/MAXIM SHIPENKOEPA/MAXIM SHIPENKOV / POOL Quelle: PAP/EPA.

Die Frage, ob Wladimir Putin einen Anruf von Wolodymyr Selenskyj oder westlichen Politikern annehmen würde, übernimmt nach Einschätzung von Wojciech Konończuk bereits eine russische Deutungslogik. Der Direktor des Warschauer Zentrums für Oststudien (OSW) erklärte in einer PAP-Analyse, die Ukraine und ihre Partner würden damit zu Bittstellern gemacht. Schon die Annahme eines Gesprächs könne dann als russisches Entgegenkommen erscheinen.

Für den Kreml sei bei Telefonaten vor allem wichtig, wer die Initiative ergreife, sagte Konończuk. Wenn eine andere Regierung Putin anrufe, lasse sich dies propagandistisch als Beleg darstellen, dass sie den Kontakt dringender benötige als Moskau. Der Inhalt eines Gesprächs trete in dieser Logik in den Hintergrund.

Konończuk warnte davor, westliche Erwartungen an Kompromisse auf die russische Führung zu übertragen. Moskau erkläre zwar, es wolle Frieden. Nach seiner Analyse verbindet der Kreml dies jedoch mit Bedingungen, die auf eine Kapitulation der Ukraine und Veränderungen der Sicherheitsordnung in Mittelosteuropa hinausliefen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte beim Treffen der G20-Außenminister, der Krieg werde weitergehen, bis Moskau Gefahren für seine nach eigener Darstellung berechtigten Sicherheitsinteressen beseitigt habe. EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas entgegnete, Russland müsse seine Verhandlungsbereitschaft durch Handlungen belegen.

Der OSW-Direktor verwies darauf, dass der Kreml in Mitteilungen zu Gesprächen mit ausländischen Politikern regelmäßig herausstelle, von welcher Seite der Anruf ausgegangen sei. Auch symbolische Kontakte könnten so im Inland, im Globalen Süden und gegenüber Teilen der westlichen Öffentlichkeit als Erfolg Moskaus ausgelegt werden.

Statt über Putins Bereitschaft zur Annahme eines Telefonats zu spekulieren, solle deshalb gefragt werden, wann Russland seine Angriffe auf die Ukraine beende, sagte Konończuk. 

PAP/adn


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