Deutsche Redaktion

Russischer Offizier: „Es gibt kein faschistischeres Land als Russland“

11.04.2023 13:16
Ein neues Bataillon soll die Ukraine in ihrem Kampf gegen den russischen Aggressor unterstützen. Gegründet wird es von dem ehemaligen russischen Geheimdienstoffizier Wladislaw Ammosow. Der Militäroffizier hat die Überprüfungen bei den ukrainischen Streitkräften erfolgreich bestanden, berichtete Radio Svoboda am Montagabend.
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Bild:PAP/AA/ABACA

Ammosov begann seinen Dienst beim russischen Militär Mitte der 1990er Jahre. Nach einem Studium an der Moskauer Militärakademie nahm der junge Offizier am zweiten Tschetschenienkrieg teil. Wie er zugibt, erlitt er dort einen Schock, als seine idealistischen Vorstellungen von der Armee mit der Realität an der Front konfrontiert wurden.

„Ich bin ein Produkt der Sowjetunion. Ich gebe zu - ich war ein (russischer) 'Imperialist'. Doch der Krieg in Tschetschenien hat mich ernüchtert. Ich war von der Propaganda beeinflusst und dachte, es gäbe dort wirklich Banditen, aber ich sah normale Menschen. Ich habe gesehen, wofür sie gekämpft haben. Aus ihrer Sicht war es ein nationaler Befreiungskrieg“, erzählte Ammosov in einem Interview mit Radio Svoboda.

Seiner Ansicht nach, hat sich der Zustand der russischen Armee, insbesondere des Kommandokorps, seit den Kämpfen in Tschetschenien in den 1990er Jahren nicht verändert, „sondern eher verschlechtert“.

„Russland schont niemanden, schon gar nicht sein eigenes Volk. Die Aufgabe muss um jeden Preis erfüllt werden - das rechtfertigt alles. Dein Leben im Krieg gehört jemand anderem. (...) Deshalb wurde mir schließlich klar, dass wir Sklaven des von Putin und seiner Clique geschaffenen Systems sind. Ich hatte keine andere Wahl, als mich davon zu befreien“, erklärte Ammosov.

Ammosov bezog sich auch auf die Propagandabegriffe des Kremls, wonach die Ukraine ein „faschistischer Staat“ sei. „Das ist lächerlich, denn es gibt kein faschistischeres Land als Russland“, urteilte er.

Soldaten aus Jakutien, Burjatien, Tuwa und anderen sibirischen Verwaltungseinheiten Russlands, die von ethnischen Minderheiten bewohnt werden, machen einen großen Teil der in der Ukraine kämpfenden Armee aus. Einigen Analysten zufolge ist diese Situation darauf zurückzuführen, dass der Kreml ethnische Russen so weit wie möglich von der Einberufung zur Armee „verschonen“ möchte, da er einen möglichen Anstieg der sozialen Unzufriedenheit im europäischen Teil des Landes befürchte.


Radio Svoboda/jc