Wie die New York Times am Mittwoch berichtete, wurden im Rahmen der dreijährigen Ermittlungen unter dem Codenamen „Operation East“ bisher mindestens neun russische Geheimdienstleute enttarnt. Die Russen sollen sich brasilianische Pässe und andere Dokumente beschafft haben, um im Ausland als Lateinamerikaner operieren zu können. Zwei der Offiziere wurden verhaftet. Die übrigen wurden gezwungen, nach Russland zurückzukehren, nachdem ihre Tarnung aufgeflogen war, so die brasilianischen Ermittler laut der New York Times.
Der Zeitung zufolge haben die Ermittlungen 2022 begonnen, als der US-Geheimdienst Brasilien warnte, dass ein mit einem brasilianischen Pass nach Den Haag reisender Mann in Wirklichkeit ein russischer Agent war. Später wurde dieser als Sergei Tcherkasow identifiziert und hatte unter dem Decknamen Victor Muller Ferreira operiert. In Den Haag sollte er ein Praktikum vor dem Internationalen Strafgerichtshof antreten, gerade als das Gericht Ermittlungen wegen russischer Kriegsverbrechen in der Ukraine begonnen hatte.
Die niederländischen Behörden hatten ihn am Flughafen Schiphol zurückgewiesen. Anschließend wurde er in Brasilien wegen Urkundenfälschung festgenommen. Wie die Ermittler feststellten, war in der Geburtsurkunde von Tscherkassow eine Mutter eingetragen, die zwar echt war, aber nie Kinder hatte.
Nach brasilianischem Recht können Geburten in abgelegenen Gegenden durch das Wort zweier Zeugen und nicht durch Krankenhausunterlagen registriert werden - ein Schlupfloch, das sich die russischen Agenten laut Polizei zunutze gemacht haben.
Mit ähnlichen Methoden sollen auch andere Agenten unauffällig in Brasilien gelebt haben, bevor sie in die Zielländer geschickt wurden. Ihre brasilianischen Pässe, Wahlkarten und sogar der Nachweis der Militärdienstpflicht seien echt gewesen, was ihre Entdeckung erschwert habe. Um künftige Reisen zu erschweren, haben die brasilianischen Behörden Interpol um Informationen über die Verdächtigen gebeten. Nach Ansicht von Analysten seien sie damit für Moskau im Ausland nicht mehr nützlich, berichtete die New York Times.
PR/NYT/ps