Deutsche Redaktion

Unternehmer zunehmend skeptisch gegenüber Euro-Beitritt

23.02.2026 07:22
Nach zwischenzeitlichen Schwankungen ist die Unterstützung auf ein historisches Tief gefallen. Als wichtiger Grund gilt der stabile Złoty.
Nur noch 23 Prozent der Chefs mittelgroer und groer Unternehmen sprechen sich fr die Einfhrung des Euro in Polen aus  der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Das zeigt eine aktuelle Studie von Grant Thornton.
Nur noch 23 Prozent der Chefs mittelgroßer und großer Unternehmen sprechen sich für die Einführung des Euro in Polen aus – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Das zeigt eine aktuelle Studie von Grant Thornton.Wojciech Strozyk/REPORTER/East News

Die Unterstützung für eine Einführung des Euro in Polen ist unter mittelgroßen und großen Unternehmen auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung gesunken. Derzeit sprechen sich nur noch 23 Prozent der befragten Firmenchefs für einen Beitritt zur Eurozone aus. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Grant Thornton hervor.

Noch 2011 hatten 85 Prozent der Unternehmer den Beitritt zur Eurozone befürwortet. In den darauffolgenden Jahren sank die Zustimmung deutlich und lag 2016 bei 42 Prozent. Zwischen 2017 und 2019 kam es noch einmal zu einer Erholung auf bis zu 74 Prozent – eine Phase, die von guter Konjunktur und relativer Stabilität im Euroraum geprägt war.

Mit der Corona-Pandemie im Jahr 2020 kehrte sich der Trend erneut um: Die Zustimmung fiel auf 42 Prozent und verharrte auf einem niedrigen Niveau zwischen 36 und 38 Prozent. 2023 stieg sie zwar vorübergehend auf 54 Prozent, sank jedoch 2024 auf 48 Prozent und 2025 weiter auf 39 Prozent. Nun wurde mit 23 Prozent ein historischer Tiefstand erreicht.

Mittelstand besonders kritisch

Unter mittelgroßen Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten unterstützen lediglich 21 Prozent die Einführung des Euro, 67 Prozent lehnen sie ab. Bei großen Unternehmen mit mindestens 249 Beschäftigten sprechen sich 33 Prozent dafür und 60 Prozent dagegen aus. Vor einem Jahr lag die Zustimmung in beiden Gruppen noch deutlich höher.

Der im Bericht zitierte Chefökonom von Grant Thornton, Marcin Mrowiec, wertete die Ergebnisse als „nüchterne Einschätzung der wirtschaftlichen Realität“. Während ein Euro-Beitritt kurz nach Polens EU-Beitritt womöglich niedrigere Zinsen und höhere Investitionen begünstigt hätte, seien die makroökonomischen Vorteile heute angesichts hoher Verschuldung vieler Eurostaaten fraglich.

Stabiler Złoty als Argument gegen den Euro 

Als ein wesentlicher Faktor für die abnehmende Zustimmung gilt die relative Stabilität der polnischen Währung. 2025 sank die durchschnittliche monatliche Volatilität des Euro/Złoty-Wechselkurses auf 4,8 Prozent – einer der niedrigsten Werte in der Geschichte. Ein stabiler Wechselkurs mindere aus Sicht vieler Unternehmer den unmittelbaren Handlungsdruck für einen Beitritt zur Eurozone.

Mehrheit rechnet nicht mit baldiger Einführung

Die Umfrage zeigt zudem eine verbreitete Skepsis hinsichtlich eines konkreten Beitrittsdatums. 34 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Polen den Euro überhaupt nicht einführen wird. Weitere 15 Prozent erwarten einen möglichen Beitritt erst nach 2036. Lediglich 4 Prozent halten eine Einführung bereits 2027 oder 2028 für realistisch, 14 Prozent nennen den Zeitraum 2029 bis 2031. Jeder Fünfte antwortete mit „schwer zu sagen“.

Für die Studie wurden im November 2025 insgesamt 100 Eigentümer und Vorstandsmitglieder mittelgroßer und großer Unternehmen befragt.


interia/PAP/jc

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