Deutsche Redaktion

Zehn Jahre nach seinem Tod: Karl Dedecius bleibt Brückenbauer zwischen Polen und Deutschland

25.02.2026 09:20
Vor zehn Jahren verstrab der Übersetzer und Polenfreund Karl Dedecius. „Das wichtigste ist, die andere Sprache zu mögen, das andere Land zu verstehen und an die Bedeutung dessen, was man macht, zu glauben“, betonte immer wieder Dedecius. Er starb am 26. Februar 2016 im Alter von 95 Jahren in Frankfurt am Main.
Karl Dedecius
Karl DedeciusElżbieta Lempp

Der 1921 in Łódź geborene Dedecius übersetzte mehr als 3000 Gedichte von rund 300 polnischen Autoren ins Deutsche. Zu den von ihm übertragenen Schriftstellern zählen unter anderem Adam Mickiewicz, Wisława Szymborska, Tadeusz Różewicz, Zbigniew Herbert und Stanisław Jerzy Lec. Er gab zahlreiche Anthologien heraus und war Initiator der Buchreihe „Polnische Bibliothek“ sowie der siebenteiligen „Panorama der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts“.

1979 gründete er in Darmstadt das Deutsche Polen-Institut, das sich der Erforschung und Vermittlung polnischer Kultur, Geschichte und Politik widmet. Für seine Verdienste wurde Dedecius 2003 mit dem Orden des Weißen Adlers, der höchsten polnischen Auszeichnung, geehrt.

In seinen 2008 erschienenen Erinnerungen „Europäer aus Łódź“ bezeichnete Dedecius das Buch als „die edelste Form des Gesprächs mit sich selbst und mit dem anderen Menschen“. Gute Literatur sei zeitlos. „Ein gutes Buch ist eine Erfindung für die Ewigkeit“, sagte er 2012 im Gespräch mit der Zeitschrift „Odra“. „Das Ende der Lektüre solcher Bücher würde das Ende der Welt bedeuten.“

Geboren in eine deutsch-polnisch-tschechisch geprägte Familie, wuchs Dedecius in Łódź mehrsprachig auf. „Meine Schule war polnisch, mein Zuhause deutsch“, erinnerte er sich später. Multikulturalität sei für ihn Alltag gewesen, „und kein Nationalismus konnte daran etwas ändern“.

Der Zweite Weltkrieg riss ihn aus diesem Umfeld. 1942 geriet er bei Stalingrad in sowjetische Kriegsgefangenschaft. In Lagern arbeitete er unter anderem in einem Steinbruch und in Textilbetrieben. Trotz schwerer Krankheit überlebte er. „Wirklich große Literatur erzieht und bildet den Menschen. So wie sie mich erzogen und gebildet hat“, sagte er rückblickend.

1950 kam Dedecius in die damalige DDR, 1952 floh er in die Bundesrepublik und ließ sich in Frankfurt am Main nieder. Tagsüber arbeitete er in einer Versicherung, abends widmete er sich dem Übersetzen. „Tagsüber arbeitete ich im Büro, abends und nachts saß ich an der Schreibmaschine. Anders wären weder Bücher noch Artikel entstanden“, berichtete er.

Auch im hohen Alter blieb Dedecius der Literatur verpflichtet. „Poesie muss Poesie sein. Nicht alles ist Poesie“, sagte er 2012. Er forderte von Autoren künstlerische Verantwortung und Maßstäbe.

Mit seiner Arbeit habe er Brücken zwischen Deutschland und Polen gebaut, betonen Weggefährten. Dedecius selbst formulierte es schlicht: Literatur sei ein Gespräch – über Grenzen hinweg.

Er starb am 26. Februar 2016 im Alter von 94 Jahren. 


PAP/jc

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20.05.2021 10:28
Karl Dedecius leistete einen ganz besonderen Beitrag zu deutsch-polnischer Verständigung.

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21.05.2021 20:00
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