Deutsche Redaktion

Nawrocki kritisiert EU-Programm SAFE als politisch motiviert

03.03.2026 11:08
Polens Präsident Karol Nawrocki hat das EU-Programm SAFE scharf kritisiert. „Wir leben heute in der Überzeugung, dass sich ohne SAFE keine polnische Widerstandsfähigkeit aufbauen lässt“, sagte Nawrocki. Zugleich warf er der Regierung vor, mit einer gezielten Kommunikationsstrategie den Eindruck zu erwecken, ohne das Programm sei die Verteidigung des Landes nicht möglich.
Prezydent Karol Nawrocki
Prezydent Karol NawrockiFoto: Marysia Zawada/East News

Er habe in der Frage der Unterzeichnung des Gesetzes noch keine Entscheidung getroffen, betonte der Präsident. Das Gesetz zur Umsetzung des EU-Kreditprogramms SAFE war am Freitag vom Sejm verabschiedet worden und liegt nun dem Staatsoberhaupt zur Prüfung vor. Nawrocki hat 21 Tage Zeit für seine Entscheidung.

Der Präsident äußerte grundsätzliche Vorbehalte gegen eine stärkere Zentralisierung in der Europäischen Union. „Ich bin Präsident Polens geworden, damit die Europäische Union nicht zu einem einzigen Staat wird, mit einer Woiwodschaft namens Polen. Alle zentralisierenden Tendenzen werden am Präsidentenpalast abprallen“, sagte er.

Zugleich betonte Nawrocki die Bedeutung verlässlicher Bündnisse. In einer „Welt ausbrechender Kriege“ könne man sich jedoch letztlich nur auf die eigenen Streitkräfte verlassen.

Mit Blick auf frühere Rüstungsprojekte fragte der Präsident, warum Polen auch ohne SAFE erfolgreich Waffen habe beschaffen können. „Wie war es möglich, südkoreanische K2-Panzer oder Himars-Systeme zu kaufen und Polen aufzurüsten – und das ohne SAFE?“, sagte er. Seiner Ansicht nach hätten sich die Streitkräfte auch ohne das EU-Programm weiterentwickelt, „wenn die öffentlichen Finanzen gut verwaltet worden wären“.

Der Präsident warf der Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk vor, die öffentlichen Finanzen „zerstört“ zu haben und nun aufzuholen zu versuchen. Zudem verwies er auf „sehr schlechte Erfahrungen“ mit dem nationalen Wiederaufbauplan (KPO).

Die Regierung verteidigt das Programm als große Chance für die Modernisierung der Armee und den Ausbau der heimischen Rüstungsindustrie. Niedrig verzinste Kredite mit aufgeschobener Rückzahlung seien eine „einmalige Gelegenheit“, hieß es aus Regierungskreisen. Auch führende Militärs unterstützen das Vorhaben.

Nach Angaben der Regierung könnte Polen als größter Empfänger rund 43,7 Milliarden Euro aus dem SAFE-Programm erhalten. 89 Prozent der Mittel sollen an polnische Rüstungsunternehmen gehen. Das Verteidigungsministerium hat 139 Projekte angemeldet, darunter die Produktion von Flugabwehrsystemen „Piorun“, Schützenpanzern „Borsuk“ und Panzerhaubitzen „Krab“.


PAP/jc

 

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