Deutsche Redaktion

Internationaler Theatertag: Wierzchowski plädiert für ein "Theater des Friedens"

27.03.2026 10:26
Wenn Theater ein Spiegel sei, schreibt Wierzchowski, dann ein doppelseitiger. Auf der Bühne stehe eine Geschichte, die aus gelebter Erfahrung erwachse, im Saal säßen Menschen mit ihren eigenen Brüchen. Ein solches Theater werde immer – selbst vor vollem Haus – für einen einzelnen Zuschauer gespielt. Genau dieses Theater des Friedens wünsche er sich für die gegenwärtigen dunklen Zeiten.
Sopot, 30.06.2025. Regisseur Marcin Wierzchowski bei der Abschlussgala der 24. Ausgabe des Festivals des Polnischen Rundfunk- und Fernsehtheaters Dwa Teatry  Sopot 2025 in Sopot .  PAPAndrzej Jackowski
Sopot, 30.06.2025. Regisseur Marcin Wierzchowski bei der Abschlussgala der 24. Ausgabe des Festivals des Polnischen Rundfunk- und Fernsehtheaters „Dwa Teatry – Sopot 2025“ in Sopot . PAP/Andrzej Jackowski PAP/Andrzej Jackowski

Zum Internationalen Theatertag 2026 ruft der Regisseur Marcin Wierzchowski zu einem „Theater des Friedens“ auf. In seiner polnischen Botschaft schreibt er, das Theater des Krieges sei in seinem Wesen auf Bewaffnung ausgerichtet, das Theater des Friedens dagegen auf Verletzlichkeit. Gerade in dunklen Zeiten brauche es eine Bühne, die nicht auf Abgrenzung, sondern auf Begegnung setze.

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist ein hasserfüllter Online-Kommentar, in dem Wierzchowski ein tieferes Bedürfnis erkennt: das Bedürfnis nach einem Theater für schwierige Zeiten. Er beschreibt eine Gegenwart, in der Angst in Hass umschlage und Neugier durch Gewissheit ersetzt werde. Wo Fragen verstummten und Menschen nur noch als Gegner erschienen, entstehe ein „Theater des Krieges“.

Scharf kritisiert der Regisseur die „vierte Wand“, die Bühne und Publikum voneinander trenne. In ihrer mentalen Form werde sie zur Barrikade zwischen „Wir“ und „Ihr“. Diese Spaltung präge nicht nur das Verhältnis zum Zuschauerraum, sondern auch den Theaterbetrieb selbst, in dem autoritäre und entwürdigende Denkweisen fortwirkten.

Dem setzt Wierzchowski ein anderes Verständnis von Theater entgegen: nicht „Wir und Ihr“, sondern „Ich und Du“. Theater werde erst dann zum Ort des Friedens, wenn sich Bühne und Zuschauerraum als Begegnung zweier Verletzlichkeiten begreifen. Schauspieler und Publikum brächten ihre eigenen Wunden, Zweifel und Erfahrungen mit; erst Vertrauen und Offenheit machten daraus ein gemeinsames Erlebnis.

Wenn Theater ein Spiegel sei, schreibt Wierzchowski, dann ein doppelseitiger. Auf der Bühne stehe eine Geschichte, die aus gelebter Erfahrung erwachse, im Saal säßen Menschen mit ihren eigenen Brüchen. Ein solches Theater werde immer – selbst vor vollem Haus – für einen einzelnen Zuschauer gespielt. Genau dieses Theater des Friedens wünsche er sich für die gegenwärtigen dunklen Zeiten.

PAP/adn

„Sztuka i Naród“ - die einzige unabhängige Kulturzeitschrift im besetzten Polen

24.09.2025 12:05
Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 fand die polnische Unabhängigkeit ein vorläufiges Ende. Das kulturelle Leben war allerdings weiterhin sehr intensiv. Viele junge polnische Kulturschaffende zahlten dafür mit ihrem Leben. So erging es auch den Redakteuren der Zeitschrift „Sztuka i Naród“.

Theater, Musik, Film: Beginn der Polnischen Kulturtage in Litauen

21.11.2025 11:31
Wie Bożena Mieżonis vom Polnischen Kulturhaus betont, soll das Festival die Vielfalt der zeitgenössischen polnischen Kultur zeigen und unterschiedliche künstlerische Vorlieben ansprechen.

Jazzmusiker Michał Urbaniak mit 82 Jahren gestorben

21.12.2025 06:57
Der polnische Jazzmusiker, Komponist und Violinist Michał Urbaniak ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Das teilte seine Ehefrau Dorota Urbaniak über die offiziellen Social-Media-Kanäle des Künstlers mit. „Er lebte und fühlte in großen Tönen“, schrieb sie.

Wajda-Jahr 2026: 100. Geburtstag des Ausnahme-Regisseurs

06.03.2026 11:47
Wajdas Filme verbinden nationale Erfahrung mit universellen Themen. Viele von ihnen beruhen auf literarischen Vorlagen oder sind von der polnischen Malerei beeinflusst. Der Regisseur verwies häufig darauf, wie sehr visuelle Kunst sein filmisches Denken präge. 2000 erhielt er für sein Lebenswerk einen Oscar.