Deutsche Redaktion

Drohnen bringen russische Logistik zunehmend in Bedrängnis

31.05.2026 07:40
Die russische Armee könnte an einem ihrer größten strukturellen Probleme seit Beginn des Krieges stehen: der Versorgung ihrer Truppen. Nach Berichten russischer Militärblogger und Einschätzungen unabhängiger Analysten geraten wichtige Nachschubrouten im Süden der Ukraine zunehmend unter Druck. Grund dafür sind ukrainische Drohnenangriffe, die inzwischen weit hinter der Frontlinie operieren und gezielt Transportwege, Lager und militärische Infrastruktur angreifen.
Bis zu 150.000 russische Soldaten knnten von Versorgungskrise betroffen sein
Bis zu 150.000 russische Soldaten könnten von Versorgungskrise betroffen seinReuters

Besonders betroffen sind die von Russland kontrollierten Gebiete in den Regionen Saporischschja, Cherson und Donezk. Dort klagen selbst kremlnahe Militärblogger über erhebliche Schwierigkeiten bei der Versorgung der Truppen. Die für Russland strategisch wichtige Verbindung zur Krim, die Fernstraße R-280 „Noworossija“, wird inzwischen als besonders gefährdet beschrieben. Der Waren- und Nachschubverkehr sei dort bereits deutlich eingeschränkt.

Nach Angaben des unabhängigen Projekts „Oko Hora“ wurden allein in den vergangenen drei Wochen mehr als 60 russische Lastwagen auf wichtigen Verkehrsachsen zerstört. Russische Beobachter berichten zudem von verstärkten Angriffen auf Treibstofflager, Kraftwerke und Militärdepots. Gebiete, die bislang als vergleichsweise sicher galten, liegen inzwischen im Aktionsradius ukrainischer Drohnen.

Militärexperten sehen darin eine neue Phase des Krieges. Während Drohnen früher vor allem Ziele in unmittelbarer Frontnähe angriffen, erreichen sie nun Entfernungen von bis zu 150 Kilometern hinter den russischen Linien. Dadurch geraten zentrale logistische Knotenpunkte unter Druck – also genau jene Infrastruktur, die für die Versorgung von Soldaten mit Munition, Treibstoff und Ausrüstung entscheidend ist.

Der russische Analyst Jan Matwejew warnt, dass die Versorgung der Truppengruppen „Dnjepr“ und „Wostok“ zunehmend gefährdet sei. Betroffen sein könnten nach seinen Schätzungen bis zu 150.000 Soldaten entlang eines mehrere hundert Kilometer langen Frontabschnitts. Sollte die Ukraine ihre Angriffe in gleicher Intensität fortsetzen, drohe Russland in den kommenden Wochen eine ernsthafte Versorgungskrise.


Onet/jc