Besonders betroffen sind die von Russland kontrollierten Gebiete in den Regionen Saporischschja, Cherson und Donezk. Dort klagen selbst kremlnahe Militärblogger über erhebliche Schwierigkeiten bei der Versorgung der Truppen. Die für Russland strategisch wichtige Verbindung zur Krim, die Fernstraße R-280 „Noworossija“, wird inzwischen als besonders gefährdet beschrieben. Der Waren- und Nachschubverkehr sei dort bereits deutlich eingeschränkt.
Nach Angaben des unabhängigen Projekts „Oko Hora“ wurden allein in den vergangenen drei Wochen mehr als 60 russische Lastwagen auf wichtigen Verkehrsachsen zerstört. Russische Beobachter berichten zudem von verstärkten Angriffen auf Treibstofflager, Kraftwerke und Militärdepots. Gebiete, die bislang als vergleichsweise sicher galten, liegen inzwischen im Aktionsradius ukrainischer Drohnen.
Militärexperten sehen darin eine neue Phase des Krieges. Während Drohnen früher vor allem Ziele in unmittelbarer Frontnähe angriffen, erreichen sie nun Entfernungen von bis zu 150 Kilometern hinter den russischen Linien. Dadurch geraten zentrale logistische Knotenpunkte unter Druck – also genau jene Infrastruktur, die für die Versorgung von Soldaten mit Munition, Treibstoff und Ausrüstung entscheidend ist.
Der russische Analyst Jan Matwejew warnt, dass die Versorgung der Truppengruppen „Dnjepr“ und „Wostok“ zunehmend gefährdet sei. Betroffen sein könnten nach seinen Schätzungen bis zu 150.000 Soldaten entlang eines mehrere hundert Kilometer langen Frontabschnitts. Sollte die Ukraine ihre Angriffe in gleicher Intensität fortsetzen, drohe Russland in den kommenden Wochen eine ernsthafte Versorgungskrise.
Onet/jc