Russische Portale, die sich als Faktenprüfer ausgeben, sind ein wichtiger Pfeiler der Informationsoperationen des Kremls, erklärt Michał Marek, Leiter des Teams für die Analyse äußerer Bedrohungen am Institut NASK, im Interview mit der Nachrichtenagentur PAP. Hauptziel des falschen Faktenchecks sei es, Russland als Opfer des Westens darzustellen – als werde das Land gezielt mit Falschnachrichten überzogen.
Die größte Initiative dieser Art sei das Portal „War on Fakes", gestartet am Tag des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Februar 2022. Nach Erkenntnissen des britischen Technologieunternehmens Logically vom März 2023 erreichte die Seite binnen einer Woche 20 Millionen Aufrufe und eine halbe Million Abonnenten. Hinter dem Portal stehe Timofej Wasiljew, der zugleich für die strategische Entwicklung der staatlich finanzierten Organisation ANO Dialog verantwortlich gewesen sei.
Recherchen der Portale Meduza und Wažnyje Istorii ergaben 2023, dass ANO Dialog das gesamte russische Pseudo-Faktencheck-Netz sowie Einflussoperationen im Internet steuere – darunter die Kampagne „Doppelganger", bei der westliche Medien und Internetseiten nachgeahmt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stünden diese Strukturen den russischen Geheimdiensten nahe, so Marek. Vor allem die englischsprachigen Angebote zielten auf ein westliches Publikum.
PAP/adn