Deutsche Redaktion

Vor 44 Jahren starb Emil Barchański – jüngstes Opfer des Kriegsrechts in Polen

03.06.2026 09:48
Vor 44 Jahren, am 3. Juni 1982, starb der Schüler Emil Barchański unter bis heute ungeklärten Umständen. Der damals 16-Jährige gilt als jüngstes Todesopfer des in Polen verhängten Kriegsrechts.
Emil Barchański na tle pomnika Feliksa Dzierżyńskiego
Emil Barchański na tle pomnika Feliksa Dzierżyńskiegografika PR / foto NAC i IPN

Barchański war Schüler des renommierten Mikołaj-Rej-Gymnasiums in Warschau und engagierte sich in der Untergrundorganisation „Konfederacja Młodzieży Polskiej Piłsudczycy“. Gemeinsam mit Freunden verübte er im Februar 1982 einen spektakulären Protest gegen das kommunistische Regime: Die Jugendlichen überschütteten das Denkmal des Gründers der sowjetischen Geheimpolizei, Felix Dzierżyński, im Zentrum Warschaus mit Farbe und warfen Molotowcocktails. Das Denkmal, für viele Polen ein Symbol kommunistischer Unterdrückung, geriet in Brand.

Nach der Aktion wurde Barchański festgenommen. Nach Angaben seiner Familie wurde er während der Verhöre von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes misshandelt. Im März 1982 verurteilte ihn ein Jugendgericht zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe.

Besondere Aufmerksamkeit erregte der Jugendliche wenige Wochen später, als er als Zeuge im Prozess gegen Mitstreiter aussagte. Vor Gericht erklärte er, er könne die Männer identifizieren, die ihn während der Verhöre geschlagen hätten, kenne jedoch ihre Namen nicht. Seine Aussage wurde von oppositionellen Medien sowie den Auslandssendern Radio Free Europe und Voice of America verbreitet und stellte die Staatssicherheit öffentlich bloß.

Am 3. Juni 1982 verschwand Barchański während eines Ausflugs an die Weichsel. Zwei Tage später wurde seine Leiche aus dem Fluss geborgen – einen Tag vor seinem 17. Geburtstag. Die für den 17. Juni geplante Gerichtsverhandlung, bei der er mit seinen mutmaßlichen Peinigern konfrontiert werden sollte, fand nie statt.

Die Ermittlungen wurden noch 1982 eingestellt. Barchańskis Mutter Krystyna erklärte damals, sie habe kein Vertrauen in die Justiz des kommunistischen Systems. Auch spätere Untersuchungen brachten keine Klärung der Todesumstände.

Die Bürgerrechtlerin Zofia Romaszewska bezeichnete den Fall später als Beispiel für die Repressionen des kommunistischen Staates gegen junge Oppositionelle während des Kriegsrechts.

Im Jahr 2008 wurde Emil Barchański posthum mit dem Orden Polonia Restituta ausgezeichnet. Seine Mutter setzte sich bis zu ihrem Tod im Jahr 2020 dafür ein, die Erinnerung an ihren Sohn wachzuhalten. Heute gilt Barchański als Symbol des jugendlichen Widerstands gegen das kommunistische Regime in Polen.


PAP/IAR/jc