Die Vorwürfe betreffen das städtische Süd-Krankenhaus in Warschau. Wie das Portal zero.pl berichtete, seien Mitglieder der Bürgerkoalition, der größten Regierungspartei Polens, in der Notaufnahme schneller aufgenommen worden als andere Patienten. Dem Bericht zufolge sollen Parteivertreter ohne Wartezeit behandelt und kurz nach der Anmeldung umfassend untersucht worden sein. Namen der mutmaßlich Begünstigten wurden nicht genannt. Der Fall gilt in Polen als politisch heikel. Lange Wartezeiten im staatlichen Gesundheitswesen zählen zu den größten Sorgen vieler Bürger.
Tusk erklärte am Mittwoch, jeder Politiker der Bürgerkoalition, dem eine bevorzugte Inanspruchnahme medizinischer Leistungen vorgeworfen werde, müsse den Sachverhalt öffentlich erläutern. „Sollte sich herausstellen, dass ethische Standards verletzt wurden, wird es politische Konsequenzen geben“, sagte er. „Wurde gegen das Gesetz verstoßen, werden sich die Staatsanwälte damit befassen.“ Er erwarte präzise Informationen von der Stadtverwaltung Warschaus, dem des Krankenhauses unterliegt
Leitung des Warschauer Süd-Krankenhauses entlassen
Auf die Affäre um das Warschauer Süd-Krankenhaus hat Warschaus Oberbürgermeister Rafał Trzaskowski reagiert. Wie er am Donnerstagnachmittag mitteilte, wurde „auf seinen Antrag die gesamte Leitung des Krankenhauses ,Południowy' entlassen“. In einem Beitrag auf X schrieb Trzaskowski, im Zuge der laufenden Untersuchungen würden Konsequenzen gezogen, „auch personeller Art“. Weitere Entscheidungen würden in Kürze folgen. Über die nächsten Schritte werde er die Öffentlichkeit fortlaufend informieren.
Den Berichten waren frühere Medienrecherchen über Dawid Kacprzyk vorausgegangen, den Koordinator der Notaufnahme des Süd-Krankenhauses Południowy und KO-Bezirksrat im Warschauer Stadtteil Ursus. Demnach soll er im vergangenen Jahr rund 380.000 Euro verdient haben, obwohl er sich noch in der fachärztlichen Ausbildung befand. Kacprzyk ist am Montag aus der Bürgerkoalition ausgetreten.
PAP/RMF24/ps