Besonders schwer getroffen wurde nach Angaben der Behörden eine Ortschaft am Stadtrand von Krywyj Rih in der Region Dnipropetrowsk. Dort schlug eine aus der russischen Region Woronesch abgefeuerte ballistische Rakete vom Typ Iskander-M in ein Wohnhaus ein. Getötet wurden zwei Mädchen im Alter von fünf und zwölf Jahren sowie vier Erwachsene. Acht weitere Menschen, darunter zwei Jungen im Alter von sechs und 15 Jahren, wurden verletzt.
„Die Such- und Rettungsarbeiten dauern an. Leider könnte die Zahl der Opfer noch steigen“, erklärten die Behörden. Rettungskräfte suchten weiter nach Verschütteten.
Auch die westukrainische Stadt Lwiw wurde Ziel russischer Raketenangriffe. Bürgermeister Andrij Sadowyj sprach von rund 20 Verletzten. Besonders betroffen seien zwei Wohnhäuser. Insgesamt seien mehr als 20 Wohngebäude sowie eine Schule und zwei Kindergärten beschädigt worden. „Die Rettungskräfte holen weiterhin Menschen unter den Trümmern hervor“, schrieb Sadowyj auf Telegram. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich noch weitere Menschen unter den eingestürzten Gebäuden befänden.
Bereits am Mittwochabend hatte Präsident Selenskyj vor einem bevorstehenden Großangriff gewarnt. Nach Informationen des ukrainischen Luftwaffenkommandos sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ noch in derselben Nacht mit einer massiven russischen Attacke zu rechnen. Der Präsident rief die Bevölkerung dazu auf, Luftalarm ernst zu nehmen und Schutzräume aufzusuchen.
Zugleich appellierte Selenskyj erneut an die westlichen Partner, insbesondere an die USA, die Ukraine mit weiteren Flugabwehrraketen zu versorgen. „Der Schutz des Lebens unserer Menschen hängt davon ab, ob unsere Partner bereit sind, uns Raketen für die Luftverteidigung zu liefern“, erklärte er. Dies gelte vor allem für Patriot-Abfangraketen, die zur Abwehr russischer Raketenangriffe benötigt würden.
Nach Angaben Selenskyjs hatte er das Thema in dieser Woche sowohl bei seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington als auch am Mittwoch bei Gesprächen mit Polens Ministerpräsident Donald Tusk in Lublin angesprochen. Dem Portal Axios sagte der ukrainische Präsident, er habe die USA um 300 Patriot-Raketen gebeten, um insbesondere die Energieinfrastruktur des Landes im kommenden Winter besser schützen zu können.
PAP/IAR/jc