Deutschland strebt die Übergabe eines in Kroatien festgenommenen Ukrainers an, der im Zusammenhang mit den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines gesucht wird. Nach Recherchen von Polskie Radio handelt es sich um Wołodymyr Ż. Ein polnisches Gericht hatte seine Auslieferung an Deutschland im Oktober 2025 abgelehnt. Diese Entscheidung galt jedoch nur innerhalb der polnischen Gerichtsbarkeit; in anderen EU-Staaten blieb der Europäische Haftbefehl wirksam.
Der Mann wurde in Pula auf Grundlage dieses Haftbefehls festgenommen. Nun entscheidet ein kroatisches Gericht, ob er an Deutschland übergeben wird. Es prüft damit dieselbe Grundlage, über die zuvor ein Gericht in Warschau entschieden hatte - kann aber zu einem anderen Ergebnis kommen. Für Wołodymyr Ż. gilt die Unschuldsvermutung.
Second suspect in Nord Stream case arrested in Croatia, say German prosecutors reut.rs/4ihYhoo
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— Reuters (@reuters.com) August 19, 2026 at 12:05 PM
Die deutsche Bundesanwaltschaft verdächtigt den Ukrainer, als Taucher an der Sprengung der Pipelines beteiligt gewesen zu sein. Sprecherin Ines Peterson sagte nach Angaben des Polnischen Rundfunks: „Wir haben darin unsere Erkenntnisse aufgenommen, dass der Verdächtige an der Detonation und damit an einer Sabotage gegen die deutsche Verfassung beteiligt war. Wir werfen dem Verdächtigen vor, als Taucher an der Herbeiführung der Pipeline-Explosion beteiligt gewesen zu sein.“
Polnischer Verteidiger weist Vorwürfe zurück
Der polnische Verteidiger Tymoteusz Paprocki wies die Vorwürfe zurück und hofft auf eine Entscheidung wie zuvor in Warschau. „Mein Mandant hat in keiner Weise eine Straftat begangen, aus der am Ende ein Schaden am Eigentum, an der kritischen Infrastruktur Deutschlands entstanden sein soll. Nichts hat sich geändert, er ist unschuldig“, sagte er.
Paprocki betonte zugleich, sein Mandant habe gewusst, dass der Europäische Haftbefehl außerhalb Polens weiter galt. „Der Gerichtsbeschluss und der Europäische Haftbefehl betrafen die Unzulässigkeit der Übergabe meines Mandanten an Deutschland. Das galt jedoch nur innerhalb der Grenzen der polnischen Rechtsordnung“, erklärte er. Der Anwalt dementierte zudem Spekulationen über den Aufenthalt in Kroatien: „Ich kann Gerüchte dementieren, die im öffentlichen Raum aufgetaucht sind, wonach er in Kroatien im Urlaub gewesen sei. Das ist nicht wahr. Seine Familie befindet sich in Polen und war ebenfalls von seiner Festnahme überrascht.“
Tusk: Ich habe meine Meinung nicht geändert
Premierminister Donald Tusk wurde am Donnerstag gefragt, ob er weiterhin der Meinung sei, dass ein Ukrainer nicht für die Sprengung der Gaspipeline verantwortlich gemacht werden sollte. „In dieser Frage habe ich meine Meinung nicht geändert“, sagte er.
Er erinnerte daran, dass Polen davor gewarnt und alles getan habe, damit Nord Stream 2 nicht Realität werde und Europa so unabhängig wie möglich von russischen Gaslieferungen bleibe. „Deutschland war damals anderer Meinung. Es hat diese Meinung geändert. Zu spät. Aber sicherlich sollte Deutschland diejenigen nicht verfolgen, die in einer Situation, in der ihr Land angegriffen wurde, den einen oder anderen Schritt unternehmen. Ich werde meine Meinung hier nicht ändern und bin der Ansicht, dass sich diejenigen schämen sollten, die diese Gaspipeline gebaut haben, und nicht diejenigen, die sie außer Betrieb gesetzt haben“, betonte Tusk.
Wadephul: Keine politische Einflussnahme auf Ermittlungen
Bundesaußenminister Johann Wadephul sieht durch das Verfahren keine politische Einflussnahme auf die Ermittlungen. Auf die Frage, ob die Festnahme die Beziehungen zwischen Berlin und Kiew belasten könne, sagte er: „Ich kann nur sagen, dass die deutsche Justiz in ihren Entscheidungen völlig unabhängig ist. Ich kann und werde das den ukrainischen Partnern jederzeit erklären.“
Bei den Explosionen am 26. September 2022 wurden drei der vier Stränge von Nord Stream 1 und Nord Stream 2 auf dem Grund der Ostsee beschädigt. Die Leitungen waren für den Transport russischen Erdgases nach Deutschland gebaut worden. In Deutschland soll zudem ein Verfahren gegen den Ukrainer Serhij K. beginnen, dem ebenfalls eine Beteiligung an der Sabotage vorgeworfen wird. Auch er bestreitet die Vorwürfe.
IAR/PAP/adn