Die Überreste einer Stadt aus der Wikingerzeit haben polnische und dänische Archäologen in Wolin in der Woiwodschaft Westpommern freigelegt. Im frühen Mittelalter war sie die größte Stadt an der Ostsee. Dort hatten Slawen und Skandinavier Seite an Seite gelebt.
Bei den Ausgrabungen auf dem als „Silberberg“ bekannten Gelände wurden unter anderem Spuren einer frühmittelalterlichen Bernsteinschmiede sowie zahlreiche Funde wie Keramikscherben und Knochenreste entdeckt. Das gemeinsame Projekt der Polnischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Aarhus soll die Fundstätte sichern und ihre Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste vorbereiten. Die Untersuchungen sollen unter anderem klären, wie die Stadt funktionierte, wie sie sich entwickelte und wie die Menschen dort zusammenlebten.
„Wir finden außergewöhnlich viele Artefakte. Zum einen war es eine wohlhabende Stadt, zum anderen herrschen hier ideale Erhaltungsbedingungen. Die feuchten, sauerstoffarmen Bodenschichten bewahren organische Materialien. Da die Städte in diesem Teil Europas damals überwiegend aus Holz bestanden, sind hier Häuser, Straßen und Überreste verschiedener Holzkonstruktionen erhalten geblieben“, sagte Wojciech Filipowiak vom Institut für Archäologie und Ethnologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) im Gespräch mit der Polnischen Nachrichtenagentur (PAP).
Archäologische Untersuchungen in verschiedenen Teilen Wolins werden seit fast 200 Jahren durchgeführt. Die ersten Ausgrabungen fanden bereits 1828 statt. Obwohl die Wissenschaftler bereits viel über die Geschichte des Ortes wissen, ermöglichen präzisere Datierungsmethoden und moderne Verfahren wie Isotopenanalysen heute die Überprüfung früherer Hypothesen und die Entwicklung neuer Forschungsansätze.
IAR/PR/PAN/ps