Polen warnt vor einer wachsenden Zahl russischer Provokationen in Mittel- und Osteuropa und sieht die bevorstehende Parlamentswahl in Lettland als besonders sensible Phase. Der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz sagte am Donnerstag in Karpacz, betroffen seien unter anderem Polen, die baltischen Staaten und zuletzt auch Deutschland.
„Das Ausmaß der Provokationen in Mittel- und Osteuropa nimmt zu“, sagte der Vizeregierungschef. Mit Blick auf die lettische Parlamentswahl am 3. Oktober erklärte er: „In Lettland stehen Parlamentswahlen bevor. Das ist ein sehr neuralgischer Moment, der die Aufmerksamkeit aller Dienste erhöhen sollte, selbstverständlich auch unserer, der Dienste der baltischen Staaten und insbesondere Lettlands.“
Kosiniak-Kamysz warnte vor hybriden Angriffen unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Angriffs. „Hybride Angriffe zeichnen sich dadurch aus, dass keine Panzer oder Panzerhaubitzen direkt an der Grenze stehen, sondern ein angeworbener Agent, der für drei-, vier- oder fünftausend Dollar zum Beispiel einen Ort in Brand setzen soll, an dem Munition hergestellt wird.“ Solche Personen würden häufig im Internet angeworben, unter anderem über Telegram und andere soziale Medien.
Der Minister rief dazu auf, in der digitalen Kommunikation vorsichtig zu sein, Profile zu prüfen und Informationen aus sozialen Netzwerken gegenzuchecken. Durch massenhaftes Teilen und Liken könne eine „emotionale Wahrheit“ entstehen, die tatsächlich eine Lüge sei. „Eine falsche Information, vielfach weitergegeben und mit ‚Herzchen‘ versehen, ist so gefährlich wie 155-Millimeter-Munition“, sagte Kosiniak-Kamysz. Eine solche Falschinformation könne dazu beitragen, Menschen für Sabotageakte wie Brandstiftung oder Explosionen zu gewinnen.
Reuters: Russische U-Boote haben Zerstörung von Unterseekabeln geübt
Reuters hatte unter Berufung auf zwei westliche Regierungsvertreter berichtet, russische U-Boote hätten im Frühjahr in der Arktis Technologie zum Zerstören von Unterseekabeln getestet. Eine gemeinsame Operation Großbritanniens, Norwegens und der USA habe die russischen Schiffe nahe Spitzbergen daran gehindert, die Übung zu beenden. Kabel seien nicht beschädigt worden. Simuliert worden sei der Einsatz der Technologie für den Fall eines Konflikts mit der Nato.
Die Infrastruktur in der Region gilt als strategisch wichtig. Zwei rund 1400 Kilometer lange Glasfaserkabel verbinden Spitzbergen mit dem norwegischen Festland und übertragen unter anderem Daten der Satellitenbodenstation SvalSat. Westliche Experten warnen seit längerem, dass das Auskundschaften von Kabeln, Pipelines und Stromleitungen der Vorbereitung möglicher Sabotageakte dienen könnte. Die Nato hat nach einer Reihe von Vorfällen in Nord- und Ostsee ihre Schutzoperationen für kritische Unterseeinfrastruktur verstärkt.
Auch an der südöstlichen Nato-Flanke gab es erneut Alarm. In der Nacht vom 9. auf den 10. September erfassten rumänische Radare eine Gruppe russischer Drohnen im Raum des ukrainischen Wylkowe nahe der Grenze zu Rumänien. Zwei rumänische F-16 stiegen auf, Bewohner im Norden des Kreises Tulcea wurden gewarnt. Das Verteidigungsministerium in Bukarest betonte, diesmal sei kein Eindringen der Drohnen in den rumänischen Luftraum festgestellt worden. Ein weiterer Alarm wurde am Freitag, dem 11. September, tagsüber ausgelöst; neben Kampfjets überwachte auch ein Militärhubschrauber die Lage.
IAR/PAP/adn