Andrzej Poczobut hält sich seit vergangener Woche in Weißrussland auf. Er besucht seine Heimatstadt Grodno sowie Minsk, Wolkowysk, Kobryn und Baranowitschi. Begleitet wird er von der Vorsitzenden des Bunds der Polen im Land, Andżelika Borys. Wie sie erklärte, seien die Treffen mit Aktivisten des Bunds der Polen von großer Bedeutung für die Moral der Organisation. „Unsere Leute haben sehr darunter gelitten, als Andrzej inhaftiert war. Sie sind ihm sehr dankbar, dass er sie trotz allem besucht“, sagt Borys.
Poczobut hat auch Gedenkstätten besucht, darunter die Gräber im September 1939 gefallener polnischer Soldaten, sowie das Denkmal für Eliza Orzeszkowa in Grodno. „Ich habe heute vor Frau Eliza den Kopf geneigt. Sie hat in Grodno mehr als einen historischen Sturm überstanden“, schrieb Poczobut in sozialen Medien.
Held und Bindeglied der Polen
Für die örtliche Gemeinschaft ist Poczobut nicht nur ein Held, sondern auch ein Symbol für Hoffnung und Ausdauer. Kurz nach seiner Ankunft kam er in das Büro des von den weißrussischen Behörden verbotenen Bunds der Polen in Weißrussland. „Seine Ankunft war nicht nur für die Aktivisten von großer Bedeutung, sondern für alle in Weißrussland lebenden Polen“, betonte Borys. Der bewegendste Moment seines Besuchs war das Treffen mit älteren Frauen, die ihm während seiner Haft Pakete gebracht hatten. „Sie umarmten ihn und weinten“, berichtete Borys. „Andrzej wird unsere Stimme in Polen sein“, sagt sie abschließend.
Poczobut ist es besonders wichtig, dass die Kinder der polnischen Minderheit in Belarus weiterhin Polnisch lernen und den Kontakt zu ihrer Heimat aufrechterhalten können. Derzeit lernen in Weißrussland rund 3.000 Kinder Polnisch. Der dortige Bund unterstützt sowohl den Unterricht vor Ort als auch den Online-Unterricht.
Politischer Ex-Gefangener
Andrzej Poczobut hat mehr als fünf Jahre in weißrussischen Gefängnissen verbracht. Er wurde wegen „Anstiftung zum Hass“ und „Aufrufen zu Handlungen zur Schädigung der nationalen Sicherheit“ verurteilt. Menschenrechtsorganisationen haben ihn als politischen Gefangenen eingestuft. Nach seiner Rückkehr nach Polen plant er eine Reise in die USA und nach Kanada. Dort will er Vertreter der Behörden und der polnischen Gemeinschaft treffen.
PAP/ps