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Präsident lädt Parteichefs zu Gesprächen über Verfassungsgericht ein

31.10.2026 12:51
Nach der Eskalation des Konflikts um das Verfassungsgericht hat Präsident Karol Nawrocki die Vorsitzenden der Parteien zu Gesprächen eingeladen. Die Konsultationen sollen am Samstag um 13.00 Uhr beginnen, teilte der Leiter des Präsidentenkabinetts, Paweł Szefernaker, mit. Im Mittelpunkt steht die angespannte Lage am Verfassungsgericht.
Prsident Karol Nawrocki
Präsident Karol NawrockiFoto: PAP/Mikołaj Bujak

Nawrocki hatte die nächtlichen Ereignisse vor dem Gericht zuvor als „Verletzung der verfassungsmäßigen Ordnung der Republik Polen und gewaltsame Übernahme eines Verfassungsorgans des Staates“ bezeichnet. Wegen einer Gefährdung der inneren Sicherheit habe er dringende Beratungen mit Vertretern der parlamentarischen Kräfte einberufen, erklärte der Präsident. Ziel sei es, die politische Lage zu stabilisieren und die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen.

Der Konflikt hatte sich am Freitagabend zugespitzt. Zuvor war auf der Internetseite des Verfassungsgerichts eine Anordnung veröffentlicht worden, wonach die dienstlichen Tätigkeiten von Gerichtspräsident Bogdan Święczkowski und Vizepräsident Bartłomiej Sochański vorübergehend ausgesetzt werden sollten. Die Aufgaben der Gerichtsleitung übernahm daraufhin die dienstälteste Richterin Anna Korwin-Piotrowska. Das Gericht erklärte allerdings, seine Internetseite sei unrechtmäßig übernommen worden.

Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich daraufhin zahlreiche Demonstranten und Politiker der Opposition, darunter PiS-Chef Jarosław Kaczyński und der frühere Ministerpräsident Mateusz Morawiecki. Die Polizei rückte auf das Gelände des Gerichts vor. Nawrocki brach unterdessen seine Reise in den Senegal ab und begab sich nach einer Beratung im Präsidentenpalast ebenfalls zum Verfassungsgericht.

Ministerpräsident Donald Tusk verteidigte das Vorgehen seiner Regierung. Die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit sei eine Verpflichtung, schrieb er in den sozialen Medien. Nach Jahren der Rechtsverstöße unter der früheren PiS-Regierung sei dies ein schwieriger und mitunter schmerzhafter Prozess, der entschlossenes Handeln erfordere.

PAP/jc

Poczobut zum Konflikt um das Verfassungsgericht: „Jubel in Russland und Weißrussland“

31.10.2026 12:00
„Der Jubel in der weißrussischen und russischen Propaganda war leicht vorherzusehen. Je größer das politische Chaos in Polen, desto größer ist ihre Zufriedenheit. Sie stehen auf keiner Seite des Streits um das Verfassungsgericht. Ihr Interesse ist ein anderes: Sie wollen den Konflikt anheizen. Je mehr wir untereinander zerstritten sind, desto besser für sie“, erklärte Andrzej Poczobut, polnisch-weißrussischer Journalist und Aktivist der polnischen Minderheit sowie der Opposition in Weißrussland. Damit nahm er Bezug auf die turbulente Nacht vor dem Verfassungsgericht.