Die Zeit der Zweiten Republik gilt gemeinhin als die Blütezeit des polnischen Pressewesens. Täglich fanden Millionen Zeitungen den Weg zu ihren Lesern. Die damalige Statistik zählte über 1800 Tageszeitungen, flankiert von einer unüberschaubaren Menge an Illustrierten und Wochenblättern für alle Zielgruppen. Zu den beliebtesten Periodika zählte die von Stanisław Piasecki herausgegebene Kulturzeitschrift „Prosto z mostu“ (in etwa: „freiheraus“ oder „frei von der Leber weg“).
Die Wochenschrift „Prosto z mostu“ (hier mit einem Nachruf auf Roman Dmowski) zählte zu den auflagenstärksten Zeitungen im Zwischenkriegspolen. (NAC)
Piasecki war nicht nur ein Chefredakteur mit ausgeprägtem Organisationstalent, der in der Książęca-Strasse in Warschau die unterschiedlichsten Autoren zu versammeln vermochte. Auch er selbst galt als Edelfeder und Sprachzauberer mit einzigartigem Stil, verfasste viele Reportagen, Glossen und Essays. Erfolg und intellektuelle Anerkennung halfen jedoch wenig gegen die wachsende Resignation Piaseckis angesichts des deutschen Überfalls auf Polen. Er verfiel allerdings nicht in einen düsteren Pessimismus, sondern beteiligte sich an einigen polnischen Widerstandsorganisationen. Im Juni 1941 wurde er von den Deutschen in Palmiry erschossen. Wojciech Osiński erinnert an ein wichtiges und faszinierendes Kapitel der polnischen Pressegeschichte.